____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Ethnische Religionen
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Ethnische Religionen (auch traditionelle Religionen, populĂ€r aber veraltet auch Naturreligionen) werden alle mĂŒndlich oder durch Rituale ĂŒberlieferten Glaubenssysteme genannt, die keine schriftlich fixierten Lehren kennen und deren AnhĂ€nger jeweils nur einer kleinen Zahl verbundener ethnischer Gruppen angehören.
UrsprĂŒnglich dienten solche Konzepte traditionellen Kulturen, das Umweltgeschehen gedanklich zu strukturieren, zu erklĂ€ren bzw. fĂŒr die Gesellschaft positiv zu beeinflussen, indem sie zugleich die Gemeinschaft, die natĂŒrliche Umwelt oder die vorgestellten transzendenten Wesen ansprachen. Im Gegensatz zu den Weltreligionen sind sie nach wie vor stĂ€rker auf die Gegenwart ausgerichtet. Sie fördern zumeist die emotionale und spirituelle Bindung an Ethnie und Natur, was sich auch in ihrer Ethik und reichen Mythologien ausdrĂŒckt. Das Konzept der individuellen Erlösung oder die Hoffnung auf eine jenseitige Existenz finden sich kaum; im Zentrum steht hingegen das Heil der Gemeinschaft.cite-ref-1[1] Traditionelle Glaubenssysteme kennen keine Religionsstifter, keinen universellen Geltungsanspruch und keinen expliziten Moralkodex. Sie sind offen fĂŒr fremde EinflĂŒsse, so dass sich im Laufe der Jahrtausende eine groĂe Vielfalt unterschiedlicher Vorstellungen und AusprĂ€gungen entwickelt haben.
Es gibt weltweit tausende unterschiedlicher lokaler Glaubensvorstellungen. Seit den ersten Kontakten zu den Weltreligionen kam es weltweit zu erheblichen Missionsbestrebungen, um die âheidnischenâ Ideen auszulöschen. Ihre offizielle AnhĂ€ngerschaft macht daher â soweit bekannt â nur noch vier Prozent der Weltbevölkerung aus. Die Tendenz ist stark abnehmend, da sich ihre AnhĂ€nger aus diversen pragmatischen GrĂŒnden immer hĂ€ufiger zu einer Weltreligion bekennen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass sie die alten Traditionen völlig abgelegt haben und die neue Religion tatsĂ€chlich leben. Rein lokal entstandene, weitgehend unbeeinflusste religiöse Vorstellungen finden sich nur noch bei den wenigen isolierten Völkern der Tropen. Mehr oder weniger stark mit Elementen der Weltreligionen vermischt sind sie noch in entlegenen Wildnisregionen Nordkanadas, Sibiriens und Australiens, in groĂen Teilen Subsahara-Afrikas, Indiens sowie in den BerglĂ€ndern SĂŒdostasiens und Indonesiens anzutreffen.
Contents
âą Schriftlosigkeit
âą Fehlende Stifter
âą Geschichte
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Anmerkungen
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Bezeichnungsproblematik
âEthnische Religionâ wird heute in Ermangelung einer Theorie der Religion als Sammelbezeichnung ohne Bezug zu einem bestimmten wissenschaftlichen Konzept verstanden.cite-ref-2[2] Lediglich das Fehlen textlicher Aufzeichnungen religiöser Inhalte, die Einheit einer Volksgruppe (Ethnie) mit deren Glaubensinhalten und -praktiken, sowie eine vorrangig naturbezogene SpiritualitĂ€t (in diversen AusprĂ€gungen) sind allgemein anerkannte Abgrenzungskriterien.
Die Bezeichnung ist heute vor allem in der deutschen Ethnologie, seltener in der Kulturanthropologie ĂŒblich. Dort wie in der Religionswissenschaft werden zudem Bezeichnungen wie schriftlose Religionen, Stammesreligionen oder indigene Religionen verwendet. FrĂŒher ĂŒbliche Bezeichnungen wie primitive oder archaische Religionen werden wegen ihrer abwertenden Tendenz und der ungenauen beziehungsweise irrefĂŒhrenden Begrifflichkeit (âNaturâ im Gegensatz zu âKulturâ) von den meisten Wissenschaftlern abgelehnt oder nur unter Vorbehalt gebraucht. Dies gilt auch fĂŒr den Begriff der âUrreligionâ; und fĂŒr den nach wie vor populĂ€ren Begriff Naturreligionen, der missverstĂ€ndlich ist, weil er sich keineswegs auf die ganze Natur als Gegenstand religiöser Verehrung beschrĂ€nkt und weil er oft mit einem vermeintlichen âNaturzustandâ des Menschen assoziiert wird. Aktuell wird auch das Wort âReligionâ in Bezug auf ethnische Konzepte von einigen Wissenschaftlern kritisiert, da der Begriff zu stark auf das Christentum und europĂ€ische Kulturen fixiert sei.
Jede bislang verwendete Kurzbezeichnung fĂŒr solche Glaubenssysteme suggeriert mehr oder weniger eine religionswissenschaftliche Einheit. TatsĂ€chlich handelt es sich jedoch um eine enorme Vielfalt religiöser Vorstellungen und Praktiken mit den unterschiedlichsten AusprĂ€gungen, die nur aufgrund ihrer Fremdartigkeit als vermeintliche Einheit wahrgenommen werden.cite-ref-antes-greschat-3-0[3] Daher vermeiden die meisten heutigen Fachleute eine verallgemeinernde Begriffsdefinition.cite-ref-thiel-4-0[4] Als behelfsmĂ€Ăige Clusterbezeichnung hat sich âEthnische Religionenâ bei einer Vielzahl gegenwĂ€rtiger Fachleute durchgesetzt.cite-ref-5[Anm. 1]
Begriff oder Bezeichnung? Unterschiedliche Sichtweisen
Die Bezeichnung âEthnische Religionâ taucht bereits 1821 bei Goethe in dem Erziehungsroman Wilhelm Meisters Wanderjahre auf.cite-ref-6[5] Schon zu Goethes Zeit bestand Uneinigkeit ĂŒber den Begriff.cite-ref-7[Anm. 2] Die Verwendung der Bezeichnung ethnische Religion in den modernen Wissenschaften â die heute als neutraler Ersatz fĂŒr diverse andere irrefĂŒhrende oder abwertende AusdrĂŒcke benutzt wirdcite-ref-bertelsmann-handbuch-8-0[6] â verwendet den von Wilhelm Emil MĂŒhlmann eingefĂŒhrten Fachbegriff ethnisch (altgriechisch Ă©thnos â[fremdes] Volkâ), der in diversen Mehrwortbenennungen zu finden ist.cite-ref-bertelsmann-handbuch-8-1[6]
Seit jeher steht die Ethnologie vor dem Problem, âfremdeâ Vorstellungen in eigenen Begriffen zu beschreiben. Bei der Religionsethnologie beginnt die Problematik jedoch bereits in der eigenen Kultur mit dem Begriff der âReligionâ:cite-ref-b-e-schmidt-9-20-9-0[7]
âReligionâ ist ein weltlicher Fachbegriff, der ursprĂŒnglich nur in europĂ€ischen Sprachen vorkam und in anderen Sprachen keine Entsprechung hat. Indigene Völker verbinden damit zumeist nur das Christentum und die Kirche. Ihre eigenen traditionellen Vorstellungen und Praktiken fassen sie hingegen als âetwas anderesâ auf, aber nicht als Religion. Die Menschen sehen hĂ€ufig keinen Widerspruch darin, sich etwa zur katholischen Religion zu bekennen, obwohl fast alle Rituale und transzendenten Vorstellungen nach wie vor den Ăberlieferungen folgen. Es fĂŒhrt im Gegenteil eher zum Erstaunen, wenn auch der alte Glaube Religion genannt wird.
Die klare Trennung von Kirche und Staat und nicht zuletzt der Kontakt zu fremden Kulturen fĂŒhrte in den europĂ€ischen Wissenschaften zu einer deutlichen SchĂ€rfung des Begriffes âReligionâ und der damit verbundenen Merkmale. Diese Festlegung ist jedoch kĂŒnstlich, denn sie vermittelt den Eindruck, religiöse ĂuĂerungen seien etwas EigenstĂ€ndiges, vom Alltag Abtrennbares. Vermutlich werden die meisten GlĂ€ubigen, gleich welcher Tradition, dieser Ansicht widersprechen. Der Religionsbegriff â als Integration von Anschauungssystem, Ethik und Ritualcite-ref-10[8] â ist lediglich hilfreich, um einen Oberbegriff fĂŒr Glaubensdinge zu haben und andere weltanschauliche Systeme davon abzugrenzen.
Bei der Ăbertragung auf fremde Kulturen wird dieser Oberbegriff jedoch ad absurdum gefĂŒhrt, da seine festliegenden Unterbegriffe (etwa Gott, unsterbliche Seele, Himmel und Hölle, Offenbarung u. v. a.) zwangslĂ€ufig mit transportiert werden. So entsteht ein begriffliches Dilemma:
âą Aus der Sicht âdes Westensâ ist es heute vor dem Hintergrund der lange Zeit evolutionistisch geprĂ€gten Forschungsgeschichte politisch korrekt, alle umfassenden Glaubenssysteme mit entsprechenden Ritualen, Gemeinschaften, ethischen GrundsĂ€tzen und einem eigenen Weltbild als Religion zu bezeichnen.
âą Aus der Sicht âder Fremdenâ ist es jedoch genauso verstĂ€ndlich, dass sie ihre ganz andersartigen Vorstellungen nicht mit demselben Begriff belegen möchten, den die Kolonialherren als Synonym fĂŒr das Christentum oder den Islam mitbrachten.
Aus der Perspektive der Fremden mĂŒssten die sogenannten âethnischen Religionenâ nach einem Vorschlag der Ethnologin und Religionswissenschaftlerin Bettina E. Schmidt eher â[âŠ] Systeme von Glaubensvorstellungen und Praktiken, die eine Bedeutung fĂŒr eine bestimmte Gruppe, in einem bestimmten historischen und kulturellen Kontext haben.âcite-ref-11[9] genannt werden.
Abweichender internationaler Gebrauch des Begriffs
Im angelsĂ€chsischen Sprachraum wird der Begriff â wenngleich mit erheblichen begrifflichen UmschĂ€rfen nicht nur in Schul- und Studienskripten,cite-ref-12[10] sondern auch in der englischen Wikipedia â fĂŒr die AnhĂ€nger von Schriftreligionen oder Religionen mit mĂŒndlich ĂŒberliefertem traditionellen Kanon verwendet, die nicht territorial verankert sind, sondern sich als Mitglieder einer weit verbreiteten, durch gemeinsame Abstammung definierten Ethnie ansehen wie z. B. Hindus, Juden oder Parsen. Diesen religiösen Gruppen kann man nicht oder nur im Ausnahmefall beitreten; die Mitgliedschaft wird biologisch und teilweise auch sozial vererbt (im Judentum durch die Mutter, bei den Hindus durch Kastenzugehörigkeit). Ihre Ausbreitung ĂŒber das Ursprungsterritorium hinaus erfolgt nicht durch Missionierung, sondern durch Wanderung. Sie sind daher nicht indigenous, sondern können viele regionale kulturelle AusprĂ€gungen erfahren. Dabei kann die Religion aber zur Festigung der ethnischen IdentitĂ€tcite-ref-13[11] oder sogar zur NeubegrĂŒndung und Neuabgrenzung einer ethnischen IdentitĂ€t dienen.cite-ref-14[12] EthnizitĂ€t ist in diesem Konzept nicht vorsozial-natĂŒrlich vorgegeben (primordial), sondern ihre Grenzen sind kĂŒnstlich und konstruierbar durch Selbstdefinition und Fremdzuschreibung. Das zeigt die Transformation der einst muslimischen Jugoslawen, die in einer von ihrem Anspruch her universalistischen Kultur lebten, in der Gruppenbildung weitgehend ausgeschlossen war, in âethnischeâ Bosnier.cite-ref-15[13] Megan Stuart Mills beschreibt die Genese und das Fortbestehen von ethnic religions unter dem Druck der Umwelt in der Diaspora und hebt ihre groĂe StabilitĂ€t hervor. In Anlehnung an Anthony D. Smithcite-ref-16[14] hĂ€lt er ethnic religions fĂŒr ein PhĂ€nomen mit powerful unifying ability, das den klassischen Nationalismus verdrĂ€ngt, und fĂŒr eine wichtige Quellen der Resilienz â auch um den Preis eines neuen religiösen Ethnonationalismus.cite-ref-17[15]
Die weiter oben beschriebenen schriftlosen ethnischen Religionen wurden im Englischen mit Begriffen wie tribal religion oder primal religion angesprochen, die jedoch oft als abwertend empfunden werden.cite-ref-18[16] Stattdessen wurde seit den 1990er Jahren der Begriff der indigenous religion fĂŒr territorial gebundene, traditionelle Kulte verwendet und meist mit den Religionen indigener Völker gleichgesetzt.cite-ref-19[17]
Der ebenfalls benutzte Begriff folk religioncite-ref-20[18] bezieht sich hingegen vor allem auf das Fehlen von komplexen Institutionalisierungsformen, Klerus und schriftlichen Ăberlieferungen eines Systems religiöser und nicht-religiöser Alltagspraktiken wie z. B. des chinesischen Volksglaubens oder auch der Cargo-Kulte, die allerdings nicht ethnisch oder territorial gebunden sein mĂŒssen (im Sinne eines âVolksglaubensâ).
Im Französischen werden die Begriffe réligion tribale (Stammesreligion), réligion traditionelle (mit Zusatz, z. B. africaine) und réligion ethnique fast synonym verwendet.
Im Spanischen wird hingegen religiĂłn Ă©tnica als Bezeichnung sowohl fĂŒr ethnische Religionen als auch fĂŒr ethnisch-religiöse Gruppen benutzt und dem Begriff der rĂ©ligion universal gegenĂŒbergestellt.
Ethnisch-religiöse Gruppen haben mit schriftlosen ethnischen Religionen nichts zu tun; es handelt sich dabei um Ethnien (zumeist Minderheiten), die sich insbesondere ĂŒber ihre traditionelle Religion von der jeweiligen Mehrheitsgesellschaft abgrenzen (Beispiele: Zoroastrier, Drusen, Hui-Chinesen).
Das Problem der begrifflichen Abgrenzung wird daran deutlich, dass sich im 1998 gegrĂŒndeten European Congress of Ethnic Religions (ECER) u. a. Hindus, aber auch AnhĂ€nger neopaganer Bewegungen wie der litauisch-âaltbaltischenâ Romuva, der deutschen Eldaring-Bewegung oder des Hellenismos organisieren. Diese basieren nach eigener Auffassung im Gegensatz zu den monotheistischen Offenbarungsreligionen auf traditionellen kulturellen GebrĂ€uchen (primary religion). Auf der Website des ECER werden ethnic religion und ethnic religious group offenbar synonym verwendet.cite-ref-21[19]
Abgrenzungsmerkmale
âEs gibt etwas, das unser spirituelles Verstehen öffnet â selbst wenn wir nicht Gott anbeten â das ist die Natur.â
â
Aama (Gurung, SĂŒdasien)
Es fĂŒhrt zwangslĂ€ufig zu MissverstĂ€ndnissen, wenn wir versuchen, sehr Fremdes in den religiösen Begriffen der eigenen Kultur oder Religion zu beschreiben. So fĂŒhren etwa die Begriffe Gott und Natur oder auch der abgeleitete Begriff Naturreligion zu Vorstellungen, die in anderen Kulturen vollkommen unterschiedliche Bedeutungen haben. Der beste Weg ist die Verwendung der fremden Begriffe und der Versuch, ihre Bedeutung zu erklĂ€ren. Die moderne Religionsethnologie untersucht vor allem individuelle religiöse Erfahrungen in ihrem sozialen, kulturellen und/oder historischen Zusammenhang, ohne sie âtrennscharfâ einer bestimmten Religion zuzuordnen. Insbesondere bei den wandelbaren mĂŒndlich ĂŒberlieferten Traditionen weichen die Aussagen verschiedener AnhĂ€nger so weit voneinander ab, dass es schon schwierig ist, sie unter dem Begriff einer bestimmten âReligionâ widerspruchsfrei zusammenzufassen. Noch weitergehende Abstraktionen durch Wissenschaftler wie etwa die Konzepte des Schamanismus oder Animismus, die das Gedankengut vollkommen unterschiedlicher Ethnien vereinheitlichen sollen, sind daher heute zumeist obsolet. Das soll allerdings nicht heiĂen, dass es keine unscharfen Ăbereinstimmungen oder indigenen Konzepte gĂ€be. Sie gehen nur weit ĂŒber das hinaus, was Menschen europĂ€ischer Kulturen mit dem Begriff âReligionâ verbinden.cite-ref-23[21]
Folgende Ăbereinstimmungen und Konzepte werden hĂ€ufig genannt:
Ethnische Begrenzung
Die ethnischen Religionen sind im Allgemeinen auf einen relativ kleinen Kreis von AnhĂ€ngern beschrĂ€nkt, die sich durch eine gemeinsame Abstammung und/oder Kultur (Sprache, Geschichte, Subsistenzweise, BrĂ€uche ⊠und eben Religion) selbst als abgrenzbare Gruppe identifizieren und die meistens in einem eng begrenzten Siedlungsgebiet leben.cite-ref-brockhaus-26-145-24-0[22] Ausnahmen nach der GröĂe sind Voodoo mit rund 60 Mio. AnhĂ€ngern und einer weltweiten Verbreitung in etlichen Lokalgruppen und der Shintoismus Japans mit mindestens vier Millionen AnhĂ€ngern.
Der Terminus âethnischâ umfasst wohlgemerkt nicht nur homogene Minderheiten oder Abstammungsgruppen, sondern ebenso heterogene Gruppen, die sich dennoch aufgrund bestimmter kultureller Gemeinsamkeiten zusammengehörig fĂŒhlen. So gehen etwa einige afrikanische Religionen oder die bemerkenswert einheitliche polynesische Religion weit ĂŒber einzelne âStammesgrenzenâ hinaus. Durch die sich beschleunigenden Migrationsbewegungen vor allem in Afrika kommt es zudem zu einem verstĂ€rkten Synkretismus von Elementen ethnischer Religionen; doch werden diese damit auch zu einem wichtigen Faktor sozialer Inklusion bzw. Exklusion.cite-ref-25[23]
Schriftlosigkeit
Das Merkmal, mit dem die ethnischen Religionen âper Definitionâ von den Buchreligionen abgrenzt werden, ist ihre Schriftlosigkeit.cite-ref-26[24] Die religiösen Traditionen werden seit alters her (aus westlicher Sicht) nur mĂŒndlich und ĂŒber tradierte Ritualpraktiken weitergegeben. Dies schlieĂt allerdings nicht aus, dass es aus der Perspektive fremder Ethnien eine Bewahrung religiöser Inhalte ĂŒber verschiedenste Arten von Zeichen und Symbolen oder das âLesenâ von natĂŒrlichen Objekten oder Artefakten gibt. Die scharfe Trennung zwischen RealitĂ€t und Aufzeichnung (welcher Art auch immer) ist eine westliche Vorstellung. Das Fehlen von heiligen Schriften macht diese Religionen je nach der kollektiven Geschichte sowie der individuellen Auffassung der Menschen sehr wandelbar. Im Gegensatz zu religiösen BĂŒchern â die zumindest den Schriftkundigen offenstehen â, wird das Wissen von den religiösen Spezialisten ethnischer Religionen oftmals geheim gehalten.cite-ref-tre-greschat-27-0[25] WĂ€hrend die statischen Texte der auf heiligen Schriften basierenden Religionen im Zuge des kulturellen Wandels immer wieder neu gedeutet und ggf. in einer sĂ€kularisierten Sprache formuliert werden mĂŒssen, da die GlĂ€ubigen sie sonst nicht mehr verstehen,cite-ref-28[Anm. 3] mĂŒssen sich mĂŒndliche Ăberlieferungen dem VerstĂ€ndniswandel zwangslĂ€ufig kontinuierlich anpassen.
Einen Grenzfall bildet die germanische Religion. Aus der langen Zeit des Ăbergangs von der schriftlosen zur Schriftkultur von ca. 600 bis 1200 sind eine Reihe von rituellen Texten und Formeln mit magischer Bedeutung als Runentexte ĂŒberliefert, die wohl nur fĂŒr eine kleine Elite verstĂ€ndlich waren, aber innerhalb dieser in rudimentĂ€r schriftlicher Form tradiert wurden. Hinzu kommt die schriftliche Fixierung von mĂŒndlichen Ăberlieferungen wĂ€hrend oder unmittelbar nach der Christianisierung. Obwohl es sich bei den Liedern der Ălteren Edda um Mythen und nicht um sakrale Texte handelte, werden in anderen Quellen, so vor allem in der recht neutral ĂŒber die heidnischen BrĂ€uche berichtenden Snorra-Edda auch religiöse Rituale beschrieben, die im Alltag der christlichen Zeit nachwirkten. Ihr Fortleben in den Darstellungen wurde von Snorri als fĂŒr Christen nicht ungefĂ€hrlich empfunden. Das gilt wohl auch fĂŒr die PrĂ€sentation der altgermanischen Götterwelt in den Mythen und Liedern der Ălteren Edda. Die Entstehung und Ăberlieferung einer komplexen Kosmologie mit einer Chronologie der Ereignisse, wie sie in der VöluspĂĄ und in Gylfaginning dargestellt ist, hĂ€tte jedoch die Existenz einer entwickelten Schriftkultur zur Voraussetzung; entweder handelt es sich dabei um nachtrĂ€gliche Systematisierungen oder es existieren â wie Andreas Heusler vermutete â tatsĂ€chlich Ă€ltere schriftliche Vorlagen, die verschollen sind.cite-ref-29[26]
Eine Besonderheit kennzeichnet auch den Shintoismus. Aus dem 8. Jahrhundert, also der Zeit der Verbreitung des Buddhismus in Japan und des Ăbergangs von der chinesischen Schrift zu einer phonetischen Schreibweise des Japanischen mit chinesischen Buchstaben, stammen mit den Schriften Kojiki und Nihonshoki Sammlungen von Mythen, die zwar keine sakrale Bedeutung besaĂen, aber doch die Fortexistenz der shintoistischen Tradition unterstĂŒtzten. Erst nach der Meiji-Restauration 1868 wurden sie im Rahmen des Staats-ShintĆ kanonisiert.
Fehlende Stifter
Als weiteres Merkmal fĂŒhrt Hans-JĂŒrgen Greschat das Fehlen von Religionsstiftern an. UnabhĂ€ngig davon, ob die jeweiligen Weltentstehungsmythen einen Schöpfer enthalten oder nicht, beginnt die Geschichte aller ethnischer Religionen mit der Urzeit, in der die kosmische Ordnung entstand. Stifterpersönlichkeiten wie Moses, Jesus, Mohammed oder Buddha kommen offenbar nur auf, wenn diese ursprĂŒngliche Balance durch einen verstĂ€rkten Wandel in sich âaufheizenden Kulturenâ zu wanken beginnt.cite-ref-tre-greschat-27-1[25] Die Rituale der ethnischen Religionen orientieren sich dementsprechend nicht am Leben eines Stifters, sondern meist am natĂŒrlichen Jahreskreislauf und am Mondkalender.
Fehlender missionarischer Auftrag
Im Gegensatz zu den missionierenden Universalreligionen kennen weder die groĂen Volksreligionen (Hinduismus, Daoismus, JĂŒdische Religion) noch die kleinen âStammesreligionenâ einen (göttlichen) Auftrag zur Bekehrung AndersglĂ€ubiger. Mit der Geburt wird man in die Religion âhineingeborenâ und die jeweiligen religiösen Vorstellungen werden fast ĂŒberall nur auf das eigene Volk bzw. die Kulturgruppe bezogen und nicht auf andere ĂŒbertragen.cite-ref-brockhaus-26-145-24-1[22] Mission ist somit ein fremder Gedanke.
Diese Einstellung begĂŒnstigt allerdings hĂ€ufig den Einfluss von Weltreligionen, da fremde GlaubenssĂ€tze in der Regel respektiert und nicht als âIrrâ- oder âAberglaubeâ aufgefasst werden.cite-ref-tre-greschat-27-2[25]
Weitere mögliche Merkmale zur Abgrenzung
Funktionalistisch argumentierende Ethnologen wie Clifford Geertz betonen, dass ethnische Religionen vielfĂ€ltige Funktionen erfĂŒllen können und dafĂŒr völlig unterschiedliche symbolische Formen und Rituale entwickeln. Die lokalen Kulte unterliegen (wie schon die Stammesreligion der alten Griechen auf dem Weg zum olympischen Götterhimmel) oft einer funktionalen Differenzierung durch Hervorbringung immer neuer immanenter und transzendenter Wesenheiten. Diese helfen die Vorstellungen des Menschen vom Dasein und der Welt zu ordnen; sie motivieren die Menschen und unterstĂŒtzen sie beim Versuch der Bearbeitung der Natur; sie integrieren die Gesellschaft und grenzen sie nach auĂen ab; aber mit zunehmender sozialer Differenzierung der Gesellschaft (im Ăbergangsbereich zur verschriftlichten âHochreligionâ) können sie auch der Herrschaftslegitimation dienen.
Die folgenden Kennzeichen stehen in der Diskussion und werden nicht von allen Fachleuten als Abgrenzungsmerkmale anerkannt. Sie werden etwa als zu stark verallgemeinert aufgefasst, als ĂŒbertrieben hervorgehobene Facetten kritisiert oder sind ungeeignet, weil sie auch in nicht-ethnischen Religionen vorkommen.
Spiritueller Bezug zur Natur
Die Glaubensinhalte der meisten ethnischen Religionen werden durch zahlreiche Aspekte der natĂŒrlichen Umwelt symbolisiert, da das âZielâ dieser sogenannten âNaturreligionenâ auch die unmittelbare, positive Beeinflussung der natĂŒrlichen Bedingungen ist.cite-ref-30[27]cite-ref-brockhaus-26-145-24-2[22] Das schlieĂt nicht aus, dass gleichzeitig im heutigen Sinne ârationaleâ Formen der Naturbeeinflussung angewandt werden; beide Formen sind Ă€quivalent und werden nicht unterschieden. Das religiöse Repertoire spiegelt daher den unmittelbaren Lebensraum des Menschen sowie die wirtschaftlichen und sozialen VerhĂ€ltnisse seiner AnhĂ€nger wider und ist in diesem Zusammenhang eine âoptimale Religionsformâ. Dieses Abgrenzungsmerkmal Ă€uĂert etwa Josef Franz Thiel in der Theologischen RealenzyklopĂ€die.cite-ref-thiel-4-1[4] Jahrtausendelang war der Glaube ein wesentlicher Faktor fĂŒr die gemeinsame kulturelle IdentitĂ€t eines jeden Volkes.cite-ref-gibbons-31-0[28]
Alle sogenannten schriftlosen Kulturen betrieben ursprĂŒnglich traditionelle Subsistenzformen â wie Jagen, Fischen, Sammeln, Garten- oder Feldbau â, die eine direkte Auseinandersetzung mit der natĂŒrlichen Umwelt und eine energieeffiziente und nachhaltige Anpassung erfordern, um gut und dauerhaft davon leben zu können.cite-ref-32[29]cite-ref-von-hahn-47-56-33-0[30] Daher spielte die Bewahrung der Balance zwischen Mensch und Natur eine existentielle Rolle.cite-ref-m-ller-schamanismus-s-11-14-16-17-111-114-34-0[31] Dies fĂŒhrte im Laufe der Geschichte zu einem detaillierten traditionellen Wissen ĂŒber die natĂŒrliche Ordnung und die âRhythmenâ ihrer wiederkehrenden AblĂ€ufe sowie zu einem stĂ€ndigen Abgleich zwischen dem Handeln und seinen Folgen: Die Natur bestimmte den âTaktâ des Lebens und die Religion diente zur Bewahrung der Balance,cite-ref-neubauer-35-0[32] indem sie den Menschen
âą ein umfassendes, zur Lebensweise passendes, ganzheitlich verknĂŒpftes ErklĂ€rungsmodell und
âą einen Wertekanon als ethisch-moralischen Handlungsrahmen boten.
Dieser Handlungsrahmen bestand zum einen aus der Heiligung von Naturerscheinungen â wie z. B. heilige Berge, Felsen, WasserfĂ€lle, Quellen, Haine; Regen, Wind, Sonne, Mond; bestimmte Tiere oder Pflanzen â die entweder besonders mĂ€chtig erschienen (Wal, Elefant, BĂ€r, BĂ€ume u. Ă.) oder die fĂŒr das Ăberleben existentiell waren (Bison, Lachs, Yams, Mais u. Ă.), sowie besonderen Naturprinzipien (SexualitĂ€t, Jahreszeiten).cite-ref-wissen-de-36-0[33] Solche Objekte der Anbetung wurden personifiziert oder beseelt, indem ihnen eine menschenĂ€hnliche Seele, ein innewohnender Geist, eine ĂŒbernatĂŒrliche Lebenskraft u. Ă. zugeschrieben wurden. Da sich dieser sogenannte Animismus in unterschiedlich starker AusprĂ€gung und auf jeweils andere Objekte gerichtet in allen ethnischen Religionen findet, wird der Begriff Animismus ebenfalls umgangssprachlich und in der Theologie als Synonym fĂŒr ethnische Religionen verwendet.cite-ref-37[34] Er hat jedoch einen pejorativen Anklang und kann wegen seines Bezugs zur ĂŒberholten Animismustheorie als Relikt evolutionistischer Sichtweisen aufgefasst werden.cite-ref-38[35]cite-ref-39[36]
Der zweite Aspekt des moralischen Handlungsrahmens bestand in diversen sakral begrĂŒndeten Tabus und rituellen Vorschriften zum Umgang mit der Umwelt. Sie sollten in erster Linie der Erhaltung der ĂŒberlebenswichtigen Ressourcen dienen. Die Einhaltung solcher Normen fĂŒhrt automatisch zu einem wirksamen Naturschutz, der jedoch nicht als âaltruistischer Ăkozentrismusâ missverstanden werden darf, denn hĂ€ufig dienen religiöse Kulte wie Jagdzauber oder Fruchtbarkeitsriten durchaus auch dazu, Macht ĂŒber die nichtmenschliche Welt zu gewinnen.cite-ref-40[37] Entscheidend ist der Grad der Frömmigkeit der Beteiligten â sprich: ihre Motivation zur Einhaltung der Normen â, die allerdings bei intakten lokalen Gemeinschaften als sehr hoch eingestuft werden kann.cite-ref-41[38]
Die ursprĂŒnglich animistische Vorstellung der Allbeseeltheit der Natur wurde zum Teil auch auf die Objektwelt insgesamt ĂŒbertragen. Die auch vom Shintoismus aufgenommene Idee der Belebtheit der Objektwelt ist z. B. noch im japanischen Volksglauben zu finden, wonach Gebrauchs- und AlltagsgegenstĂ€nde und vor allem weggeworfene Dinge zum Leben erwachen und dann als Tsukumogami mehr oder weniger harmlose Verwirrung anrichten können. Dieser Glauben hat in einer ressourcenarmen Ăkonomie wie der Japans eine evidente ökologische Funktion; zugleich hat er japanische Techniker zu kulturspezifischen Entwicklungen animiert (Tamagotchi, Pflege- und Unterhaltungsroboter) und zu deren gesellschaftlicher Akzeptanz gefĂŒhrt.cite-ref-42[39]
Wandelbare und gegenwÀrtige Geister und Götter
Animismus (Allbeseeltheit) und Polytheismus (Vielgötterei) galten lange Zeit als das Abgrenzungsmerkmal der als âprimitivâ bewerteten Glaubenssysteme. Heute wird jedoch nicht mehr ignoriert, dass auch in den Weltreligionen diverse animistische und polytheistische Elemente aufzufinden sind. Aufgrund der abwertenden Konnotation, die seither mit den beiden Begrifflichkeiten verbunden ist, werden sie nur noch selten als grundsĂ€tzliche Kennzeichen der schriftlosen Religionen genannt. Der Ethnologe Klaus E. MĂŒller hingegen hĂ€lt die speziellen Formen ethnischer Geister- und Götterwelten nach wie vor fĂŒr eindeutige Abgrenzungsmerkmale.cite-ref-m-ller-schamanismus-s-11-14-16-17-111-114-34-1[31]
Alle ethnischen Religionen kennen ein mannigfaltiges âJenseits im Diesseitsâ, in dem diverse Götter, Urahnen, Freiseelen, Tier- oder Pflanzengeister, numinöse KrĂ€fte, DĂ€monen u. v. m. vorkommen, die in allen möglichen Naturerscheinungen wohnen und fĂŒr alles bedeutsame Geschehen verantwortlich sind.cite-ref-wilkinson-43-0[40] Ihre jeweilige Bedeutung lĂ€sst sich allerdings nicht klassifizieren. Dennoch können einige gemeinsame Kennzeichen formuliert werden:cite-ref-wunn257262-44-0[41]
âą In den monotheistischen Systemen gilt der eine Gott als Schöpfer der Welt. Er beherrscht und durchdringt sie, steht aber erhaben ĂŒber ihr und wird kultisch verehrt. In den ethnischen Religionen ist oft ebenfalls ein sogenannter âHochgottglaubeâ vorhanden. Als Sitz des höchsten Wesens wird meist der Himmel angenommen; doch greift dieses höchste transzendente Wesen nicht dauernd in das Geschehen auf der Erde ein und ist im Alltag kaum kultisch verankert. Hier wirken stattdessen verschiedene Geistwesen oder KrĂ€fte, mit denen die Menschen tĂ€glich kommunizieren und die sie verehren, aber oft auch fĂŒrchten. In polytheistischen Religionen, in denen die NaturkrĂ€fte stĂ€rker personalisiert sind, haben die Götter ĂŒbermenschliche, aber spezialisierte FĂ€higkeiten. Sie sind zumeist nicht allmĂ€chtig oder allgegenwĂ€rtig und auch nicht unsterblich oder ewig.
âą Findet sich die Vorstellung von einem Schöpfergott, spielt er meist nur eine Rolle in den Mythen, da er sich nach der Erschaffung der Welt zurĂŒckzog und keinen direkten Einfluss mehr auf die Gegenwart hat.cite-ref-45[42] Er wird nicht regelmĂ€Ăig verehrt, sondern oft nur in Notsituationen angerufen. Ihm sind auch keine HeiligtĂŒmer geweiht. Solange die Welt ihren Gang geht, scheint sein Eingreifen nicht notwendig. Dennoch kann man wohl nicht â wie dies Mircea Eliade tut â von einem Deus otiosus sprechen, da das höchste Wesen aus GrĂŒnden des Respekts nicht direkt und offen angesprochen wird; doch ist es mental stets prĂ€sent.cite-ref-46[43]
⹠Auch wenn einige henotheistische (ein Hauptgott, Verehrung mehrerer Götter) oder monolatrische Religionen (ein Hauptgott ohne Verehrung anderer Götter) geschichteter Gesellschaften auch Hochgötter kennen, die Einfluss auf das menschliche Leben haben, angebetet werden und zum Teil auch allmÀchtig und allgegenwÀrtig sind, ist ein Monotheismus im strengen Sinne in keiner lokalen Religion zu finden.cite-ref-tre-greschat-27-3[25]
âą Im Gegensatz zu den kanonischen Weltreligionen, in denen die transzendenten Wesen klar definierte Eigenschaften und Aufgaben haben, sind sie in den ethnischen Religionen Ă€uĂerst unklar und wandelbar. So sind die Grenzen zwischen Göttern, Geistern und Ahnen nicht immer genau festzulegen. Das Göttliche kann in zahlreichen separaten EntitĂ€ten oder Wesen wohnen und verschiedene Formen annehmen.cite-ref-47[44]
âą Das höchste Wesen ist meist eine âstammesbezogeneâ Gottheit oder spirituelle Kraft, kein universeller âWeltherrscherâ. Ăberwiegend ist es typisch fĂŒr die jeweilige Wirtschaftsform (JĂ€ger â Herr der Tiere; Ackerbauern â weibliche Erdgottheiten; Hirten â Himmelsgott). Dieses höchste Wesen und viele andere, die alle eng mit der natĂŒrlichen Umwelt verbunden sind, mĂŒssen mit Hilfe verschiedener Riten und Rituale besĂ€nftigt werden, um dem Menschen positive Lebensbedingungen zu bescheren.cite-ref-wilkinson-43-1[40] Doch in vielen JĂ€ger- und Sammlergesellschaften existiert keine Vorstellung von einem personifizierten höchsten Wesen. Stattdessen wird die gesamte Natur in dieser prĂ€deistischen Vorstellungswelt als von einem Wind oder Hauch oder einer Gemeinschaftsseele durchdrungen gedacht. Diese belebt alle Dinge und sakralisiert sie; eine besondere Götterverehrung oder elaborierte Jenseitsvorstellungen gibt es nicht.
âą Viele Kulturen weltweit kennen göttliche bzw. ĂŒbernatĂŒrliche KrĂ€fte, die in den Weltreligionen unbekannt sindcite-ref-wunn257262-44-1[41] (z. B. Ozeanien: Mana, Algonkin: Manitu, Irokesen: Orenda, Sioux: Wakan, Nuba: Masala, Ainu: Kamuy). Ăhnlich wie das PhĂ€nomen des Animismus wurden diese KrĂ€fte frĂŒher fĂ€lschlich fĂŒr universelle Ideen gehalten (wie etwa beim Animatismus-Konzept von Robert Ranulph Marett).
âą Eine wichtige Rolle spielen oft die âKulturheroenâ. Das sind âUrheberwesenâ aus der Urzeit, von denen hĂ€ufig sowohl wichtige Kulturelemente als auch die Institutionen und die Menschen selbst abstammen. So stahl z. B. MÄui, der von den MÄori verehrt wird, den Göttern das Feuer. Einige dieser Heroen sind doppelgesichtige Figuren, die unvermittelt auch als böswillige Nepper, Schwindler oder Scharlatane auftreten. In diesem Fall werden sie als Trickster bezeichnet. Sie sollen dem Menschen verdeutlichen, dass seine selbst geschaffene Ordnung jederzeit wieder in Chaos umschlagen kann, wenn er nicht vorsichtig ist.cite-ref-48[45]
Fehlende religiöse Organisationen
Die Trennung von Religiösem und Profanem, Heiligem und AlltĂ€glichem ist bei nicht missionierten, traditionell subsistenzwirtschaftlich lebenden Ethnien wesentlich unschĂ€rfer als in anderen Zivilisationen. Selbst in den seltenen FĂ€llen, in denen ethnische Religionen einen strengen Dualismus von Diesseits und Jenseits Ă€hnlich wie im Christentum, durchdringen religiöse Assoziationen jegliches Handeln: âDas Leben ist Religionâ und wird nicht vom Jenseitsglauben dominiert.cite-ref-49[46]cite-ref-thiel-4-2[4]
Diese unscharfe Trennung zwischen Sakral- und AlltagssphĂ€re liegt unter anderem daran, dass es in den traditionellen Religionen nur sehr selten und in begrenztem Umfang religiöse Organisationen gibt. Demnach existiert auch kein geistlicher Berufsstand.cite-ref-wunn-244-246-50-0[47] Beamtete Priester kommen erst in komplexeren vorstaatlichen Gesellschaften vor. Hier sind es hĂ€ufig Clan-Ălteste, die auch Priesterfunktionen ausĂŒben. Regelrechte âethnische Kirchenâ sind unbekannt, und auch die Existenz von diversen GeheimbĂŒnden bei indigenen Völkern, z. B. bei einigen Bantu-StĂ€mmen, die meist mit dem Ahnenkult zu tun haben, rechtfertigt nicht eine Ausgrenzung aus der Gruppe der ethnischen Religionen.
WandlungsfÀhigkeit
WĂ€hrend die Universalreligionen groĂen Wert auf die UnverĂ€nderlichkeit ihrer Lehren (â Orthodoxie) legen, könnte man auch die UnkonventionalitĂ€t und WandlungsfĂ€higkeit der mĂŒndlich ĂŒberlieferten Weltanschauungen, die keine festen Dogmen kennen und verĂ€nderten LebensumstĂ€nden flexibel angepasst werden (etwa nach Ina Wunn)cite-ref-51[48], als Unterscheidungskriterium betrachten. Dies wird beispielsweise bei der Entwicklung der Religion der Ainu sichtbar. Diese Tatsache wird besonders deutlich, wenn man die schnelle und vielfĂ€ltige Bildung synkretistischer Mischformen mit den GlaubenssĂ€tzen dominanter Mehrheitsgesellschaften betrachtet: Nahezu ĂŒberall auf der Welt integrierten traditionelle Gesellschaften passende Elemente aus den missionierenden Weltreligionen problemlos in ihren eigenen Glaubenssysteme, statt sich tatsĂ€chlich bekehren zu lassen, wie es sich die Missionare gewĂŒnscht hĂ€tten (Beispiele sind etwa afrobrasilianische Religionen oder die Native American Church).cite-ref-52[49]
Zyklische Zeitauffassung mit Gegenwartsbezug
Der indianische Politikwissenschaftler Vine Deloria junior hĂ€lt hingegen die weitgehende âZeitlosigkeitâ der ethnischen Religionen fĂŒr das entscheidende Trennungskriterium: So spielt Zeit vorwiegend im Sinne immer wiederkehrender Jahreszyklen eine Rolle, die âUrzeitâ ist zumeist vage und ohne Chronologie; Ahnen und Kulturheroen werden vergegenwĂ€rtigt; göttliche Bestrafungen erfolgen unmittelbar und nicht erst beim âjĂŒngsten Gerichtâ in einer unbestimmten Zukunft; und Orte sind aufgrund ihrer natĂŒrlichen Beschaffenheit heilig und nicht durch einen Bezug zu bestimmten historischen Ereignissen.
Greschat formulierte fĂŒr die Theologische RealenzyklopĂ€die: âDiese Aufgabe [Heil fĂŒr die Gemeinschaft zu erwirken] wird als Verantwortung fĂŒr den Fortbestand der urzeitlich geordneten Welt akzeptiert und lenkt die religiöse Aufmerksamkeit notwendigerweise auf die Gegenwart.â Auch er fĂŒhrte dieses ZeitverstĂ€ndnis als Abgrenzungskriterium auf.cite-ref-tre-greschat-27-4[25]
Versöhnungsreligionen versus Erlösungsreligionen
Der evangelische Theologe Theo Sundermeiercite-ref-53[50] hĂ€lt die ethnischen Religionen fĂŒr einen grundlegend anderen Typus als die Weltreligionen. Nach seiner Auffassung liegt der wesentliche Unterschied in der Ausrichtung: Das höchste Ziel der groĂen Glaubenssysteme â nach Sundermeier der sogenannten âErlösungsreligionenâ â sei die individuelle Erlösung vom Bösen oder vom Leid des Daseins in einer zukĂŒnftigen, unsterblich-transzendenten RealitĂ€t. Die ethnischen âVersöhnungsreligionenâ wĂŒrden hingegen an erster Stelle versuchen, Frieden, Harmonie und die gegenwĂ€rtige Einheit der Gemeinschaft und der Welt zu erhalten und zu erneuern; sprich: die soziale, ökonomische und ökologische RealitĂ€t im Diesseits zu stabilisieren und vor SchĂ€den zu bewahren. Das Wohl des Einzelnen sei auf Gedeih und Verderb mit dem Wohl des NĂ€chsten und der Gemeinschaft verbunden. In diesem altruistischen Gemeinwohl selbst lĂ€ge der tiefere Sinn des ânaturvölkischenâ Lebens â und nicht in der Vergeltung guter Taten durch höhere MĂ€chte in einem spĂ€teren Leben. Das Jenseits mĂŒsse dem Menschen zu Lebzeiten dienen, es versprĂ€che weder Lebenssinn noch Erlösung oder Erleuchtung. Gedanken an die Zeit nach dem Tod seien dort nicht auf die eigene Weiterexistenz gerichtet, sondern auf die Lebenszeit der nachfolgenden Generationen. In Ă€hnlicher Weise Ă€uĂert sich der Theologe Dietrich ZilleĂen.cite-ref-54[51]
Sundermeier ordnet neben allen buchlosen lokalen Religionen auch die historischen Religionen der alten Ăgypter, Griechen, Römer, Kelten und Germanen, die fernöstlichen Religionen des Daoismus, den chinesischen Volksglauben sowie einige der hinduistisch- oder buddhistisch-synkretistischen âMischreligionenâ Indiens und SĂŒdostasiens sowie schlieĂlich die JĂŒdische Religion den Versöhnungsreligionen zu. Das Christentum sieht er zweigeteilt: Je nach lokaler Konfession sei es mehr Versöhnungsreligion (etwa die sĂŒdamerikanische Befreiungstheologie oder die afroamerikanischen Glaubensgemeinschaften Nordamerikas) als Erlösungsreligion.
Mögliche Zuordnungsprobleme
Es gibt einige Religionen, deren Zuordnung zu den ethnischen Religionen problematisch ist:
âą Die âsynkretistischen Neureligionenâ,cite-ref-55[52] die â vor allem im Zuge der UnterdrĂŒckung lokaler Religionen â durch den Einfluss fremder Kulturen als âKrisenreaktionâ entstanden, sind zumeist auch auf bestimmte indigene Völker beschrĂ€nkt und basieren zum groĂen Teil auf mĂŒndlicher Ăberlieferung. Allerdings berufen sie sich hĂ€ufig auf die Bibel oder andere heilige Texte und haben fast immer einen Stifter (beispielsweise die RÄtana-Kirche der MÄori durch TahupĆtiki Wiremu RÄtana, die Geistertanzbewegung der PrĂ€rie-Indianer durch Wodziwob, der Peyotismus in Nordamerika durch Quanah Parker oder â mit EinschrĂ€nkungen â der Laestadianismus bei den SĂĄmi durch Lars Levi Laestadius); und die Vorstellungen von der transzendenten Welt sind immer mehr oder weniger von einer Offenbarungsreligion beeinflusst. Eine Zuordnung zu den traditionell ethnischen Religionen ist im hier verwendeten Sinne daher nicht gegeben.
⹠Das Jesidentum wird von Ina Wunn ethnisch genannt.cite-ref-56[53] Es hat zwar animistisch-ethnische Elemente, ist prinzipiell jedoch ein monotheistischer Glaube und kennt einen Stifter, so dass diese Zuordnung im ansonsten im Fachdiskurs hÀufig verwendeten Sinne nicht korrekt ist.
âą Die traditionelle tibetische Religion Bön kennt heilige Schriften, einen Stifter und hat vieles mit dem Buddhismus gemeinsam. Dennoch hat zumindest die Form des alten Bön klar animistische ZĂŒge.
âą Der japanische Shintoismus erfĂŒllt alle Kriterien fĂŒr ethnische Religionen, bis auf die Tatsache, dass es zwei heilige Texte gibt.
Weitgehende Gemeinsamkeiten
âWir [die Ureinwohner] bezeichnen uns selbst weniger als NaturschĂŒtzer denn als Menschen, die mit den Werten der Selbsterhaltung geboren sind. Wir registrieren die Warnsignale, die die Natur aussendet, Zeichen wie KlimaverĂ€nderung, Geschmack des Wassers und die traurigen Lieder der Vögel.â
â
Marcos Terena (Terena, Brasilien)
Neben den Abgrenzungsmerkmalen, die ausschlieĂlich ethnische Religionen kennzeichnen, gibt es noch einige weitere Gemeinsamkeiten, die von verschiedenen Autoren formuliert wurden. Sie sind nicht nur auf ethnische Religionen beschrĂ€nkt und dienen daher nicht als Abgrenzungsmerkmale. Zudem finden sich relativ viele Ausnahmen. Das Hauptproblem ist eine Folge der enormen Vielfalt solcher PhĂ€nomene, so dass jede modellhafte Reduzierung zwangslĂ€ufig leicht kritisiert werden kann.cite-ref-wunn244-58-0[55] In den Massenmedien wird nicht selten der Eindruck geweckt, die gröĂte Gemeinsamkeit im Denken der Ethnien, die nur eng begrenzte Ăkosysteme nutzen sei ein spirituell begrĂŒndeter Naturschutz. Obgleich die Erhaltung der Lebensgrundlagen bei den Gemeinsamkeiten eine zentrale Rolle spielt, ist dies eine stereotype Vereinfachung, die der RealitĂ€t nicht gerecht wird, wie auch das einleitende Zitat belegt.
Bei einer differenzierten Betrachtung werden fĂŒnf solcher Gemeinsamkeiten in der Literatur relativ hĂ€ufig formuliert:
Diese Kennzeichen gelten zwar weitestgehend fĂŒr alle lokalen Religionen, allerdings in sehr unterschiedlichen AusprĂ€gungen.
Emotionale Verwandtschaft mit der Welt
âDer erste Friede, der wichtigste, ist jener, der in die Seelen der Menschen einzieht, wenn sie ihre Verwandtschaft, ihr Einssein mit dem Weltall und allen seinen MĂ€chten gewahren und inne werden, daĂ im Mittelpunkt des Weltalls Wakan-Tanka wohnt und diese Mitte tatsĂ€chlich ĂŒberall ist; sie ist in jedem von uns. [âŠ]â
â
Schwarzer Hirsch
(Oglala-Lakota, Nordamerika)
Ăber die Verehrung bestimmter Naturobjekte oder -phĂ€nomene hinaus besteht bei praktisch allen (vormals) traditionellen Gesellschaften eine enge spirituelle und emotional-verwandtschaftliche Bindung an ihren Lebensraum â âihrâ Land â,cite-ref-ludwig-60-0[57] die einen unmittelbaren Zugang zum Religiösen vermittelt, der den Menschen der Industrienationen hĂ€ufig unverstĂ€ndlich ist.cite-ref-wunn244-58-1[55]cite-ref-61[Anm. 4]
Die Ă€lteste Form der politisch-sozialen Organisation ist die herrschaftsfreie Akephalie, eine egalitĂ€re Konsensdemokratie, die wiederum aus den engen verwandtschaftlichen Beziehungen frĂŒher Wildbeuter-Gruppen entstanden ist. Daraus resultiert die groĂe WertschĂ€tzung, die Verwandtschaftsverpflichtungen (biologisch, ehelich oder mythisch) und ihrer ErfĂŒllung entgegengebracht wird. Der animistische Glaube an die Beseeltheit der Naturerscheinungen, die Allgegenwart komplexer ökologischer Verflechtungen und totemistisch oder spirituell begrĂŒndete Verwandtschaften zu anderen Lebewesen wie etwa die Vorstellung eines Alter Ego dehnen das âfamiliĂ€re Denkenâ auf groĂe Bereiche der Umwelt aus. In sogenannten âNaturreligionenâ hĂ€lt sich der Mensch nicht fĂŒr die Krone der Schöpfung; dort versteht er sich eher als âBruder unter Geschwisternâ.cite-ref-tre-greschat-27-5[25] Aby Warburg spricht in diesem Sinne in seiner Studie ĂŒber den Schlangenkult der Pueblo-Indianer vom Totemismus als einer âForm des Darwinismus durch mythische Wahlverwandtschaftâ, die blutige Tieropfer unnötig macht und die Form einer Interaktion zwischen Mensch und Tier annimmt.cite-ref-62[58] Es handelt sich um eine mythologisch-psychologische Verwandtschaftsbeziehung als Vorstufe zur rationalen WelterklĂ€rung.
AllgegenwÀrtige SpiritualitÀt
âWenn jemand von uns stirbt, teilt sich seine Seele. Ein Teil bleibt im Land und verwandelt sich in einen Baum, der andere geht eine Zeit lang zur Bralgu-Insel. Die Geister kommen gelegentlich zum Festland. [âŠ]â
â
Damabutja Datarak (Aborigine, Australien)
Vorstellungen der Verwandlung wie aus diesem Aborigine-Zitat bilden hĂ€ufig die Grundlage fĂŒr die psychomentale Kommunikation mit den âtranszendenten Verwandtenâ â mit Geistern, DĂ€monen, Engeln, Göttern, Ahnen usw.: Bekannt sind hier vor allem die schamanische Reise, der Trancetanz und die Visionssuche.cite-ref-wernhart-64-0[60] Bei unbeeinflussten ethnischen Religionen weiĂ jeder Angehörige, welche Objekte und VorgĂ€nge verwandt und damit heilig sind, welche Tabus zu beachten sind, welche Rituale zur Aufrechterhaltung der kosmischen Harmonie notwendig sind und welche Folgen VerstöĂe gegen diese Normen auslösen sollen. Die Folgen glaubt man in UnfĂ€llen und Krankheiten zu erkennen, die grundsĂ€tzlich als Reaktion auf das Fehlverhalten von Menschen (mangelnde Achtung vor den Geistern, VerstöĂe gegen Regeln und Traditionen) oder das Wirken von Schadenzauber durch ĂŒbelwollende Hexen oder Hexer interpretiert werden.cite-ref-m-ller-schamanismus-s-11-14-16-17-111-114-34-2[31]cite-ref-65[61]
Viel stĂ€rker als bei den sogenannten âHochreligionenâ ist der Alltag traditioneller Menschen durchdrungen vom Glauben an solche ĂŒbernatĂŒrlichen MĂ€chte und ZauberkrĂ€fte.cite-ref-wernhart-64-1[60] Da der Ăbergang von menschlichen zu nichtmenschlichen âPersonenâ in einer allbeseelten Welt flieĂend ist, spielt das Wirken des ĂbernatĂŒrlichen bei sehr vielen Völkern in allen Bereichen des Lebens eine Rolle, so dass Religion kein separater Bereich des Lebens ist, sondern das Leben selbst.cite-ref-feest-66-0[62]
Die Vorstellungen vom ĂbernatĂŒrlichen sind je nach Ethnie sehr unterschiedlich: Sie können wohltĂ€tig, hilfreich und stĂ€rkend fĂŒr die ganze Gruppe oder den Einzelnen sein; aber auch arglistig, gefĂ€hrlich und schwĂ€chend. Demnach haben jegliche Handlungen des naturrerligiösen Menschen â selbst Spiel, Kunst, Tanz oder Musik dienen nicht (nur) der Unterhaltung â immer irgendeinen spirituellen Bezug.cite-ref-67[63]cite-ref-neubauer-35-1[32]
Die âSchnittstelleâ zur Geisterwelt ist nach Klaus E. MĂŒller ein zumindest zweigliedriges Seelenkonzept, bei dem zwischen Vitalseele und Freiseele unterschieden wird. Die Vitalseele ist mit dem Körper verbunden und dient der Aufrechterhaltung der Körperfunktionen. Sie wird vor allem in warmen und harten Körperteilen lokalisiert und ist wie der Körper selbst vergĂ€nglich. Die Freiseele ist hingegen unvergĂ€nglich, vom Körper ablösbar und hat damit die Eigenschaften eines Geistes, der nach dem Tod in vielen Kulturen als Ahnenseele ins Jenseits geht. Sie ist ursĂ€chlich fĂŒr das Leben sowie alle mentalen Funktionen und kann sich im Schlaf, in Trance oder Drogenrausch, durch Schreck, Affekt oder schwere Krankheiten vom Körper lösen.cite-ref-m-ller-schamanismus-s-11-14-16-17-111-114-34-3[31]
Das âmystische Erlebnisâ â der notwendige direkte und persönliche Kontakt zu den höheren MĂ€chten und die FĂ€higkeit, sie zu beeinflussen â setzt bei allen Ethnien eine besondere Gabe âvon obenâ voraus. Welche Personen diese Gabe besitzen ist allerdings von Volk zu Volk unterschiedlich.cite-ref-tre-greschat-27-6[25]
Individuelle Verantwortlichkeit
âIn jedem lebendigen Wesen wohnt ein kleiner Gott. Und weil wir alles, was lebt, anbeten, können wir auch nicht rĂŒcksichtslos mit dem umgehen, was uns die Natur gegeben hat.â
â
Wladimir Sangi
(Niwche, Ostsibirien)
Bei Völkern, die keine Trennung von Alltag und Glaubensdingen, keinen festliegenden Kanon und keine Form âkirchlicher Organisationâ kennen, ist die AusĂŒbung der Religion weitestgehend dem Einzelnen ĂŒberlassen: Er kann frei entscheiden, in welcher Situation er welches Ritual durchfĂŒhrt â etwa zur BesĂ€nftigung der Geister getöteter Tiere wie bei den meisten JĂ€gervölkern. Niemand ĂŒberwacht dies; es gibt keine Unterscheidung von âwahremâ und âfalschemâ Glauben und SĂŒnden wie GotteslĂ€sterung oder Ketzerei sind unbekannt.cite-ref-tre-greschat-27-7[25] Stattdessen vertraut jeder ganz selbstverstĂ€ndlich darauf, dass sich alle Gruppenmitglieder freiwillig der Tradition und den geltenden Tabus unterwerfen.
Der wichtigste Ausgangspunkt fĂŒr die ethnische ReligiositĂ€t ist die unmittelbare Erfahrung des Transzendenten. Dazu stehen den Menschen neben dem Gebet und diversen Opferritualen je nach Tradition verschiedene Möglichkeiten zur VerfĂŒgung. Weit verbreitete Praktiken sind Fasten, TrĂ€umen, absichtliche Isolation oder die Einnahme halluzinogener Substanzen, um visionĂ€re EindrĂŒcke zu erzeugen, die als Kontakt mit den numinosen MĂ€chten betrachtet werden. Zudem vermitteln in nahezu allen lokalen Religionen diverse Geisterbeschwörer, Heiler, Zauberer, Seher o. Ă. â allesamt als Teilzeitspezialisten â zwischen dem Menschen und dem Jenseits.cite-ref-wissen-de-36-1[33] Das heilige Wissen wird von diesen Spezialisten und/oder von all jenen weitergegeben (und ggf. verĂ€ndert), die von sich behaupten, visionĂ€re Erlebnisse gehabt zu haben. So besteht keine eindeutige Trennung zwischen Laien und religiösen Experten. Die Existenz solcher religiöser Spezialisten scheint bereits fĂŒr das jungsteinzeitliche SĂŒdafrika archĂ€ologisch belegt zu sein.cite-ref-68[64]
Der Zugang zur Religion ist meist pragmatisch: Man verehrt nur solche KrĂ€fte, die helfen können und helfen wollen. Die Verehrung göttlicher MĂ€chte allein um ihrer GröĂe oder Heiligkeit willen ist praktisch unbekannt. Auch kollektive Rituale werden nur selten âvon obenâ angewiesen. Trotz der fehlenden Trennung von Alltag und Religion, der groĂen individuellen Hingabe und der vermuteten Allgegenwart jenseitiger MĂ€chte, ist in der Regel keine Abkehr von der RealitĂ€t zu beobachten und es gibt durchaus auch Gruppen, bei denen die Bedeutung spiritueller TĂ€tigkeiten gering ist.cite-ref-69[65]
Ritualisierte KreislÀufe
âIrgendwann trafen die ĂŒbernatĂŒrlichen Wesen auch auf die Stellen, an denen die unfertigen Menschenkinder lagen. Bei ihrem Anblick wurden sie von Mitleid gerĂŒhrt, und sie beschlossen, die Menschen zu erlösen. Sie trennten sie voneinander und öffneten ihre Sinnesorgane, so daĂ sie wahrnehmen und sich entwickeln konnten. Dann lehren sie sie, im Einklang mit den Ahnen auf der Erde zu leben und Zeremonien, GesĂ€nge sowie Magie zu beherrschen.â
â
Aus einer Traumzeit-Mythe aus Zentral-Australien
Die KontinuitĂ€t in der BiosphĂ€re wird vor allem durch die permanente Wiederholung diverser KreislĂ€ufe deutlich. Diese Tatsache findet sich in allen ethnischen Religionen in der ein oder anderen Form wieder. Sehr eindrĂŒcklich ist dies bei der Traumzeit der Aborigines, die mit Hilfe verschiedener Rituale den von ihnen empfundenen gegenseitigen Austausch von Urzeit und Gegenwart aufrechterhalten. Vielfach geht diese Vorstellung bis hin zu einer angenommenen ewigen Wiederkehr der Welt, Ă€hnlich der Samsara-Vorstellung in Hinduismus und Buddhismus: Ein endgĂŒltiges Weltende ist unbekannt, nach der Zerstörung entsteht automatisch wieder eine neue Welt. Wo eine lineare, auf ein endgĂŒltiges Weltende gerichteter Geschichtsablauf auftaucht, liegt stets ein Einfluss der christlichencite-ref-70[66] oder islamischen Mission vor.
Die religiösen Strategien zu den ewigen KreislĂ€ufen resultieren aus dem bereits beschriebenen emotionalen VerwandtschaftsgefĂŒhl: Konkret basieren sie auf der Projektion der menschlichen Lebenszyklen â Geburt-Kindheit-Altern-Tod-(Wiedergeburt), Tag-Nacht-Rhythmus, Jahreszeiten usw. â auf die gesamte Welt, die dann in ebenso regelmĂ€Ăig wiederkehrenden kollektiven Riten (vor allem Ăbergangsriten)cite-ref-wilkinson-43-2[40] und individuellen Ritualen geheiligt werden. Die strikte Wiederholung soll die Menschen mit den natĂŒrlichen Zyklen in Gleichklang bringen und hat auf diese Weise Anteil an der ewigen, göttlichen Existenz des Kosmos.cite-ref-assmann-71-0[67]
VerĂ€nderungen, die nicht den KreislĂ€ufen entsprechen, wurden von traditionellen Menschen als Bedrohung des kosmischen Gleichgewichts aufgefasst, so dass viele ânaturreligiöseâ Völker Strategien entwickelt haben, den Status quo des Lebens möglichst unverĂ€ndert zu bewahren. Claude LĂ©vi-Strauss prĂ€gte in diesem Zusammenhang den Begriff der âkalten Kulturenâ. Ganz anders bei den âVölkern, die in der Geschichte lebenâ, bei denen Fortschritt und VerĂ€nderung mit unbekanntem Ziel oberste PrioritĂ€t haben.cite-ref-assmann-71-1[67]cite-ref-72[68]
Mythen und Kulte zur Deutung und Harmonisierung des Umweltbezugs
âAlles war im Gleichgewicht: unsere Gebete, unsere Rituale, unsere Ahnen, die Natur. Wir wuĂten immer schon, daĂ sich alles Ă€ndern wird, wenn das Gleichgewicht zerbrechen wĂŒrde. Deshalb war es notwendig, daĂ unsere Gebete und Rituale ungestört blieben. Dann kamen die christlichen WeiĂen vor 90 Jahren. Von da an begann sich alles zu verĂ€ndern. [âŠ] Unsere Glaubensvorstellungen verĂ€nderten sich, unsere BrĂ€uche wandelten sich, und seither Ă€ndert sich auch die Natur. [âŠ]â
â
Nathan Wate (Lau, Salomonen)
Anstelle der in den Hochreligionen vorhandenen feststehenden Lehren sorgen die mĂŒndlich ĂŒberlieferten Mythen und der damit verknĂŒpfte Kult in den ethnischen Religionen fĂŒr die Weitergabe und Erhaltung des Glaubens und der damit verbundenen Wertvorstellungen.cite-ref-thiel-4-3[4] Sie sind weit mehr als Gleichnisse oder MĂ€rchen, sondern bilden das kollektive kulturelle GedĂ€chtnis und das religiöse Symbolsystemcite-ref-wunn244-58-2[55] traditioneller Völker. Die Vorstellung einer engen VerknĂŒpfung von Mensch und Kosmos, die nur durch die Einhaltung des Kultes aufrechterhalten werden konnte (wie sie im einleitenden Zitat von den Salomonen deutlich wird), fand sich frĂŒher praktisch bei allen naturnah lebenden Ethnien. Die starke Gebundenheit an die Mythen und die ĂŒbermĂ€chtigen, teils menschlichen, teils animalischen Ahnengestalten, die darin vorkommen, sind demnach charakteristisch.cite-ref-wissen-de-36-2[33]cite-ref-wunn-244-246-50-1[47] In der Regel sind es bildhafte ErzĂ€hlungen aus einer (nicht historisch fassbaren) Urzeit, als die Kommunikation zwischen Menschen und anderen Wesen (Tiere, Geister, Gottheiten) normal war. Besonders deutlich wird dies bei der Traumzeit der australischen Aborigines. Auch wenn die Mythen inhaltlich oft unzusammenhĂ€ngend, unklar und teilweise gar widersprĂŒchlich erscheinen, stellen sie die damit aufgewachsenen Menschen, ihre Umwelt und die letztendlich unbegreifliche RealitĂ€t in einen engmaschig verknĂŒpften Sinnzusammenhang.cite-ref-wunn-244-246-50-2[47] âKennzeichnend fĂŒr die Mythen der Naturreligionen ist, dass selbst geringste Details der Lebenswelt aufgegriffen und in Bezug auf die Handlungen der mythischen Ahnen gedeutet werden. Jeder Baum, jede Wasserstelle, jeder Clanname, selbst der Platz eines Hauses im Dorf hat seine religiöse Entsprechung im Mythos.âcite-ref-74[70] Zusammen mit den daraus abgeleiteten Kulthandlungen entfalten die ethnischen Religionen ihre psychosoziale Wirkung (etwa als WelterklĂ€rung, Motivationsgrundlage oder zur StĂ€rkung der SolidaritĂ€t).
Diese Kulthandlungen sind ĂŒberaus vielfĂ€ltig; drehen sich jedoch bei allen Ethnien unter anderem
âą um Dank und Demut gegenĂŒber der Schöpfung,
âą um Vergebung fĂŒr den notgedrungenen Eingriff des Menschen in den Naturhaushalt und
âą um Respekt und Ehrfurcht gegenĂŒber dem Leben, den Ahnen und den Traditionen.
Kultische Handlungen bestehen nahezu ĂŒberall aus individuellen und kollektiven Ritualen. Letztere finden ihren Ausdruck hĂ€ufig in Musik (etwa im samischen Joik) und im Tanz. Ăberdies ist das Ritual des Opferns in irgendeiner Form bei sehr vielen Ethnien bekannt; wenn auch nicht bei allen.cite-ref-thiel-4-4[4]
Bei den ethnischen Totenkulten lĂ€sst sich zudem feststellen, dass sie im Ă€uĂeren Ablauf und hinsichtlich ihres Sinngehaltes ĂŒberall auf der Welt in die drei Stadien: Separation (Loslösung vom Verstorbenen), liminale Phase (eigenschaftsloser Zwischenzustand) und Integration (Wiedergeburt, Aufnahme ins Totenreich, Geistwerdung u. Ă€.) gegliedert sind. Ziele sind immer das Ausleben der Trauer fĂŒr den Einzelnen und der Schutz vor InstabilitĂ€t der Gemeinschaft, die durch den Verlust von Menschen entstehen kann.cite-ref-75[71]
Klassifizierungsversuche
âIn der Kleingesellschaft ist das Religiöse in der Tat das âUnausweichlicheâ. Die Religion stellt sich im Kultus dar, sie bestimmt die Ethik der Gruppe und des einzelnen und hat ihr GegenĂŒber im Heiligen, wie immer es auch benannt und verstanden wird.â
â
Theo Sundermeier
, deutscher evangelischer Theologe
Es wurden bereits viele Versuche unternommen, eine klassifizierende Religionstypologie zu erstellen. FĂŒr die ethnischen Religionen â beziehungsweise fĂŒr die Gesamtheit aller Religionen â ist das nach heutigen MaĂstĂ€ben noch nicht ĂŒberzeugend gelungen.cite-ref-wunn7441-77-0[73]
Nach Ina Wunns Die Evolution der Religionencite-ref-78[74] sind heutige Modelle z. T. noch zu stark von den teleologischen, wertend-evolutionistischen Auffassungen des 19. Jahrhunderts (und seiner imperialistischen Ideologie) geprĂ€gt, die eine stufenweise, zielorientierte Höherentwicklung der Religionen von einer primitiven kulturellen âUrstufeâ bis zu einer hochentwickelten Stufe annahm.cite-ref-79[75] Wunn setzt an die Stelle dieses Evolutionsmodells ein neues Stammbaum-Modell, analog zum Evolutionsmodell in der Biologie, aus dem heraus die Entwicklung der Religionen besser verstanden werden soll, fĂŒhrt dieses jedoch ausdrĂŒcklich selber nicht systematisch durch.cite-ref-80[76]
Die enorme Vielfalt der ethnischen Religionen ist sehr schwer zu kategorisieren; nicht zuletzt wegen des unzureichenden ethnographischen Ausgangsmaterials.cite-ref-81[77]cite-ref-82[78] Detaillierte StammbĂ€ume mit einer daraus resultierenden Systematik, die nach modernen wissenschaftlichen Standards angefertigt wurden, gibt es bislang erst fĂŒr sehr wenige traditionelle Religionen (etwa fĂŒr die indischen).cite-ref-wunn7441-77-1[73]
Hilfsweise wird heute meistens eine geographische Klassifikation (die Religionen Nordamerikas, Sibiriens, Polynesiens usw.) verwendet, die naturgemÀà nur sehr bedingte RĂŒckschlĂŒsse auf die Verwandtschaftsbeziehungen zulĂ€sst.cite-ref-83[79]
Zwei hĂ€ufig zitierte Typologien, die ohne Abwertungen und ĂŒberzogene Analogismen auskommen, sind die Einteilungen nach Kultpraxis und sozioökologischen Rahmenbedingungen, die im Folgenden erlĂ€utert werden und deren Ergebnisse sich ĂŒberdies gut ergĂ€nzen.
(Die Beschreibung suggeriert klare Abgrenzungen zwischen den Typen. Bitte beachten Sie, dass es sich dabei tatsÀchlich um sehr stark idealisierende Modelle handelt: In der RealitÀt gibt es mindestens ebenso viele Mischformen wie idealtypische Formen und die Grenzen zwischen den Kategorien sind extrem vereinfacht!)
Typologie nach Kultpraxis
Der kanadisch-amerikanische Anthropologe Anthony F. C. Wallace legte 1966 eine viergeteilte Typologie der Religionen nach der Kultpraxis vor (Kulte und Rituale zeichnen sich durch eine groĂe Langlebigkeit und geringe VerĂ€nderlichkeit aus, so dass sie sich gut fĂŒr kulturvergleichende Untersuchungen eignen).cite-ref-84[80]cite-ref-85[81] Wallace sieht einen Zusammenhang zwischen der Organisationsform und Technologie einer Ethnie und der Art und Weise ihrer kultischen Handlungen (âcult institutionsâ). Seine Ergebnisse wurden 2007 von Roberts und Sanderson (durch Abgleich mit einer Analyse von Murdock und White ĂŒber 186 prĂ€industrielle Gemeinschaften) grundsĂ€tzlich bestĂ€tigt und weiter verfeinert.cite-ref-86[82]cite-ref-87[83]cite-ref-haller-88-0[84]
Die im Folgenden dargestellten Typen bauen aufeinander auf: Das heiĂt, in Gesellschaften, die olympische Kulte praktizieren, kommen ebenso kommunale, schamanische und individuelle Kulte vor und so fort.
schamanischer-religionstyp Schamanischer Religionstyp
Die einfachste Kultform sind individuelle Rituale, die von jeder Person jederzeit und ĂŒberall vorgenommen werden können (beispielsweise Gebet, kleine Opfergaben oder Visionssuche). Wallace nennt keine Religion, in der nur solche Rituale durchgefĂŒhrt werden. Die ânĂ€chsthöhereâ Kultform sind Riten, die von speziell ausgebildeten Geisterbeschwörern (von ihm verallgemeinernd Schamanen genannt) auf Wunsch einer Person, einer Familie oder einer Gemeinschaft mit einem konkreten Ziel (Krankheit heilen, Jagdtiere heranfĂŒhren, Seelen Toter geleiten, Wetter beeinflussen, Unheil abwenden usw.) durchgefĂŒhrt werden. Ethnische Religionen, in denen individuelle und schamanische Kulte vorhanden sind, fasst Wallace zum âschamanischen Religionstypâ zusammen.cite-ref-89[Anm. 5]
AnhÀnger des schamanischen Religionstyps sind stark naturgebunden und verehren Götter und Geister, die sich direkt (als jeweilige Ursache der Dinge) in den Naturerscheinungen offenbaren (Animismus). Er kommt in Gesellschaften vor, die zu 63 % vorrangig vom Jagen und Sammeln leben, zu 83 % als Stammesgesellschaften organisiert sind und zu 90 % keine eigene Schrift haben.
Sanderson sieht den Erfolg dieser Religionen in der Krankenheilung und vor allem in der Angstreduktion innerhalb der Gemeinschaft.
kommunaler-religionstyp Kommunaler Religionstyp
Bei dieser Kultform handelt es sich um die Riten, die gemeinsam von den Mitgliedern einer Gruppe abgehalten werden (etwa Initiationsriten, religiös inspirierte Tanzzeremonien, Opferzeremonien usw.). Viele dieser Zeremonien orientieren sich an kalendarischen Zyklen. Ethnien, die neben den individuellen und schamanischen Kulten auch noch gemeinsame Riten kennen, bezeichnet Wallace als âkommunalenâ oder âkollektiven Religionstypâ.
Bei diesem Typ kommt zum animistischen Glauben vor allem der Ahnenkult hinzu. 52 % der AnhĂ€nger kommunaler Religionstypen leben vom Feldbau, sie sind zu 52 % in Stammesgesellschaften und zu 31 % in HĂ€uptlingstĂŒmern organisiert und besitzen zu 81 % keine Schrift.
Sanderson sieht den wichtigsten Erfolgsgrund fĂŒr diese traditionellen Religionen im Ahnenkult als wichtigen Sozialfaktor fĂŒr den Zusammenhalt der komplexer strukturierten Gesellschaften.
olympischer-religionstyp Olympischer Religionstyp
Finden sich in einer Religion auch Kulte, die wohl organisiert und hĂ€ufig standardisiert von einem Vollzeit-Spezialisten (Priester) vor und mit der Gemeinschaft vollzogen werden (in Ethnoreligionen hauptsĂ€chlich Opferungen), spricht Wallace vom âolympischenâ oder auch âekklesiastischen Religionstypâ (nach Roberts und Sanderson âpolytheistischer Typâ).
Kennzeichnend fĂŒr den olympischen Typ ist, dass eine groĂe Zahl menschenĂ€hnlich gedachter (guter und böser, intelligenter und dummer) Götter in einem Pantheon wohnen, die jeweils spezielle Funktionen erfĂŒllen und von denen einige durch bestimmte HeiligtĂŒmer (Tempel, Schreine, Idole usw.) reprĂ€sentiert werden. Olympische Religionen kommen in Gesellschaften vor, die zu 50 % von Landwechselwirtschaft oder traditionellem Ackerbau und zu 42 % von Gartenbau leben. Die Menschen leben zu 33 % in segmentĂ€ren Gesellschaften, zu 25 % in HĂ€uptlings- bzw. FĂŒrstentĂŒmern und zu 42 % in eigenen Staaten. 66 % der olympischen Religionen sind schriftlos.
Nach Sanderson beschĂ€ftigen sich diese Systeme â die sowohl bei ethnischen als auch bei den groĂen östlichen Religionen vorkommen â auch mit Fragen nach dem Sinn des Lebens.
monotheistischer-religionstyp Monotheistischer Religionstyp
Mit dem monotheistischen Typ durchbricht Wallace das Prinzip der Kultpraxis, denn bis auf das gröĂere Spektrum der Kulte entsprechen sie dem olympischen Typ (so dass sie streng genommen keine eigene Kategorie sind).
Ăberdies verwenden Wallace und auch Sanderson und Robertscite-ref-90[85] eine sehr weite Definition des Monotheismus, die neben den eigentlichen abrahamitischen âEin-Gott-Religionenâ auch den Hinduismus (Vishnu und Shiva als Manifestation eines göttlichen Prinzips), Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus (Buddha, Laozi und Konfuzius als gottgleiche Persönlichkeiten) einbezieht.
Dieser Religionstyp (der alle Weltreligionen umfasst) kommt zu 78 % in Agrarkulturen und zu 19 % in viehhĂŒtenden Gesellschaften vor. Sie sind politisch zu 60 % in Staaten organisiert und haben zu 87 % eine Schrift. Ethnische Religionen gehören nicht in diese Kategorie.
Typologie nach Lebensweisen
Die zweite Typologie der Religionen, die mangels einer evolutionĂ€ren Stammbaum-Klassifikation hĂ€ufig herangezogen wird, ist eine Einteilung nach den prĂ€genden Umweltfaktoren und den daraus hervorgegangenen Lebensweisen.cite-ref-hock-91-0[86] Sicher ist einerseits, dass Gesellschaft und (ethnische) Religion immer nur in engster Symbiose anzutreffen sind;cite-ref-92[87] und das andererseits eine gleichartige âreligiöse Umweltâ â gemeint ist an erster Stelle die konkrete Nutzung der naturrĂ€umlichen Gegebenheiten, aber auch die soziale Organisation, Wirtschaftsfaktoren, Technologie und die politische Konstellation â hĂ€ufig zu relativ Ă€hnlichen Vorstellungen fĂŒhrt. Daraus folgt, dass sich Religionen rasch verĂ€ndern, sobald sich die Umweltbedingungen Ă€ndern. Die Art des Wandels ist insofern gerichtet und reagiert direkt auf die durch die UmweltverĂ€nderung ausgelösten religiösen BedĂŒrfnisse.cite-ref-93[88] So verliert etwa ein Jagdgott seinen Sinn, wenn eine Gruppe â etwa durch den Einfluss der westlichen Zivilisation â zu sesshaftem Ackerbau ĂŒbergeht.cite-ref-thiel-4-5[4]
Dieser Zusammenhang erklĂ€rt, warum die Religion eskimoischer MeeresjĂ€ger, die Fischer- und JĂ€gerreligion der nordamerikanischen NordwestkĂŒste oder die Agrarreligion der Irokesen relativ Ă€hnliche âGegenstĂŒckeâ in anderen Erdteilen haben, obwohl keine gemeinsame Abstammung besteht.cite-ref-94[89] Diese Art der Anschauung bildet zudem die Grundlage des Forschungsansatzes Religionsökologie.
Die Betonung des Adjektives relativ in Bezug auf die Ăhnlichkeiten weist auf die Schwachstellen dieser Typologie hin:
âą Solche Ăbereinstimmungen sind bei direkt benachbarten Gruppen mit gleichartiger Lebensweise durch eine Subsumierung homologer und analoger Prozesse sowie durch direkten Kulturtransfer gut belegt und leicht erklĂ€rbar. Darauf aufbauend wurden â in Kombination mit anderen Kulturelementen â verschiedene Modelle sogenannter Kulturareale entwickelt, die gleichartige Kulturen in groĂrĂ€umigen Gebieten zusammenfassen. Doch bereits auf dieser Abstraktionsebene gehen (zwangslĂ€ufig) viele Abweichungen und Ausnahmen verloren.
âą Trotz erstaunlicher Analogien, die auch ĂŒber Kontinente hinweg bestehen, darf nicht auĂer Acht gelassen werden, dass es durchaus auch viele Gruppen gibt, die gleiche Wirtschafts- und Sozialstrukturen haben und die dennoch vollkommen unterschiedliche religiöse Symbolsysteme hervorgebracht haben.cite-ref-95[90]
Folgende Kategorien werden unterschieden:
wildbeuter-religionen Religionen der nomadischen oder halbnomadischen JĂ€ger, Fischer und Sammler
Hier herrscht fast immer ein animistischer Geisterglaube vor:cite-ref-kohl-96-0[91] Praktisch alle Naturerscheinungen gelten als beseelt bzw. von Geistern bewohnt. HĂ€ufig wird eine mythisch-verwandtschaftliche Verbindung zu Tieren, aber auch zu Pflanzen, Bergen, Quellen u. v. m. â den sogenannten Totems â hergestellt, denen als Symbole eine wichtige Bedeutung fĂŒr die IdentitĂ€tsfindung zukommt â entweder im Sinne eines profanen Gruppenabzeichens oder eines geheiligten Sinnbildes. Zentral ist möglicherweise die Vorstellung einer natĂŒrlichen Ordnung, die vor allem darin besteht, das bestimmte Lebewesen das âEigentumâ bestimmter höherer Wesen sind, die als Herr oder Herrin der Tiere bezeichnet werden.cite-ref-97[92] Aus der Verwandtschaft zu den anderen Wesen oder der Angst vor Racheakten der âEigentĂŒmerâ werden oftmals Nahrungs- und Jagdtabus sowie Vergebungsrituale hergeleitet, die zum Teil eine wichtige Funktion fĂŒr die Erhaltung der Ressourcen haben.cite-ref-kohl-96-1[91] Kultische Handlungen bestehen zum Beispiel in Tierpantomimen, rituellen Verwandlungen in Tiere oder Beschwörungsriten vor JagdzĂŒgen.cite-ref-98[93] Die Geister sind â bis auf das höchste Wesen â gleichrangig und reflektieren damit die egalitĂ€re Sozialstruktur der JĂ€gervölker.
(Die Informationen zu den Wildbeutern sind in der Gegenwartsform geschrieben, obgleich es nahezu keine einzige Gruppe mehr gibt, deren Religion nicht bereits stark fragmentiert ist.)
pflanzer-religionen Religionen der halbsesshaften oder temporÀr sesshaften Pflanzer, JÀger und Fischer
Bei den Garten- und Wanderfeldbauern â die KnollengewĂ€chse wie Maniok und Yams oder verschiedene GemĂŒsearten anbauen sowie zusĂ€tzlich jagen und fischen â gesellt sich zur animistischen Geisterwelt die Verehrung von umfassenden numinosen MĂ€chten oder Gottheiten. Sie sind hĂ€ufig nicht eindeutig menschengestaltig, sondern werden stattdessen eher als âvereinheitlichte Seelensummeâ verschiedener NaturphĂ€nomene aufgefasst â etwa als Weltseele oder Mutter Erde â, stehen aber grundsĂ€tzlich ĂŒber den Geistern. Die Entstehung von Baum- und KnollenfrĂŒchten wird auf Erdgottheiten zurĂŒckgefĂŒhrt.cite-ref-schweer-14-99-0[94] In einigen Pflanzerkulturen Amerikas und SĂŒdostasiens besteht der Glaube an ZusammenhĂ€nge Ă€hnlich der Dema-Gottheiten Neuguineas, aus deren getöteten Körpern die neuen FeldfrĂŒchte entstehen.cite-ref-wei-e-100-0[95] Der Wandel zur landwirtschaftlichen Produktionsweise spiegelt sich auch deutlich in den Urzeitmythen wider: Oftmals wird deren Ende und der Beginn des heutigen Daseins mit einem dramatischen Ereignis in Verbindung gebracht. SexualitĂ€t, Heirat und Tod haben in diesen Religionen eine vorrangige Bedeutung.cite-ref-101[96] So spielt der Ahnenkult, der bei den Wildbeutern nur ansatzweise vorkommt, bei manchen einfachen Pflanzern eine wesentlich gröĂere Rolle. Neben den individuellen und schamanischen Kulten gibt es auch religiöse Handlungen auf kollektiver Ebenecite-ref-moser-102-0[97] (etwa die Riten von religiösen GeheimbĂŒnden). Sie bekrĂ€ftigen den Zusammenhalt der Gruppe, die stĂ€rker als bei Wildbeutern auf speziellen Kenntnissen und FĂ€higkeiten Einzelner beruht. Religiöse Tabus und totemistische âVerwandtschaftsstrukturenâ sind wie bei den Wildbeutern hĂ€ufig.
feldbauern-religionen Religionen der langjÀhrig sesshaften Feld- und Ackerbauern
Diese Religionen sind fast immer polytheistisch und die Vielzahl der Gottheiten und Geistwesen wird â als Spiegelbild des gröĂeren menschlichen SelbstverstĂ€ndnisses als schaffende âKulturwesenâ und komplexer, hierarchischer Sozialstrukturen â oft menschenĂ€hnlich beschrieben. Fast immer existiert demnach ein Hauptgott, der den anderen ĂŒberlegen ist.cite-ref-moser-102-1[97] Hingegen ist ein animistischer Allbeseeltheitsglaube meistens kaum vorhanden. Bei den Völkern, die die Erde als Quelle allen Lebens verehren, steht sie noch mehr als bei den Pflanzern im Mittelpunkt der Verehrung;cite-ref-hock-91-1[86] hĂ€ufig in Gestalt einer anthropomorphen Erdgöttin,cite-ref-wei-e-100-1[95] die fĂŒr die Fruchtbarkeit der Felder zustĂ€ndig sind. Die Erkenntnis, dass ein erfolgreicher, langjĂ€hrig flĂ€chentreuer Bodenbau von ausgeglichenen Wetterbedingungen abhĂ€ngig ist, brachte den Glauben an Himmelsgötter hervor, die â je nach den lokalen VerhĂ€ltnissen â als Sonnen- oder Wettergott verehrt werden. Wenngleich die Bedeutung der âErdmutterâ zumeist gröĂer ist, besteht nicht selten die Idee eines âWeltelternpaaresâ aus Himmels- und Erdgottheit. Im Glauben zahlreicher Feldbauern spielt zudem das Feuer â hĂ€ufig mit weiblichen Eigenschaften ausgestattet oder mit einer Göttin verbunden â eine besondere Rolle. Ebenfalls finden sich zahlreiche Gesellschaften, bei denen separate Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttinnen eine dominierende Rolle spielen.cite-ref-103[98] Totemgruppen finden sich auch noch bei Bodenbauern; Tabuvorschriften sind jedoch weniger bedeutungsvoll. Der Ahnenkult mit regelmĂ€Ăiger und dauerhafter Totenverehrung â der im Hinblick auf die Sesshaftigkeit der statischen Bindung der Toten an den Boden entgegenkommt â ist weit verbreitet.cite-ref-104[99] In diesen Gesellschaften treten auch hauptberufliche religiöse FunktionĂ€re (Priester) auf, die die organisierten Kulthandlungen koordinieren.cite-ref-moser-102-2[97]
hirten-religionen Religionen der nomadischen oder halbnomadischen Viehhirten
Bei den nomadischen oder halbnomadischen Hirtenvölkern, die in Gebieten leben, die fĂŒr den Pflanzenanbau zu trocken sind, wohnt der höchste Gott â als Gebieter des lebensspendenden Regens â fast immer im Himmel.cite-ref-wei-e-100-2[95]cite-ref-105[100] Gottesnamen und -vorstellungen werden hĂ€ufig mit dem Himmel oder der Sonne assoziiert.cite-ref-hock-91-2[86] Die meisten dieser Religionen sind polytheistisch, einige (insbesondere in Afrikacite-ref-106[101] und auf der Arabischen Halbinsel) monotheistisch â allerdings immer neben animistischen Naturgeistern Ă€hnlich der Wildbeuter. Durch die mobile Lebensweise ist der Ahnenkult meist wenig ausgeprĂ€gt und da nichts angebaut wird, haben auch Erdgottheiten nur geringe Bedeutung. Stattdessen haben die jeweiligen Nutztiere in den Hirtenreligionen (sowie bei den jĂ€gerischen Reiterkulturen) immer eine besonders wichtige religiöse Bedeutung.cite-ref-haller-88-1[84] Da die meisten Nomaden seit jeher zusĂ€tzlich Handel mit Bodenbauern treiben, um sich mit pflanzlicher Nahrung zu versorgen, kam es zu etlichen Kontakten mit deren Religionen. Dies hatte oftmals Einfluss auf die eigenen Glaubensvorstellungen und Kulte und erklĂ€rt etwa den starken Einfluss von Islam und Buddhismus auf die zentralasiatischen Schamanenreligionen.cite-ref-107[102] Wie bei den einfachen Pflanzern werden hauptsĂ€chlich individuelle, schamanische und kollektive Kulte ausgefĂŒhrt. Da diese Menschen in fragilen Ăkosystemen leben, gibt es zahlreiche religiös belegte Tabus. Totemistische Gruppen kommen hingegen selten vor, weil keine AbhĂ€ngigkeit von Wildtieren besteht â und damit keine gefĂŒhlte verwandtschaftliche Bindung zu ihnen notwendig ist. Nomadische Hirtenkulturen sind fast ausnahmslos patriarchalisch organisiert: Wie die Frau von jeher mit der Pflanze zu tun hatte, so der Mann mit dem Tier. In Hirtenkulturen sind Frauen oft von religiösen Funktionen ausgeschlossen oder dĂŒrfen manchmal nichts mit dem Vieh zu tun haben.
komplexe-religionen Religionen komplexer sesshafter Kulturen
Völker, die im Zuge der Entwicklung zu Stadtkulturen â fast immer verbunden mit einer expansiven Ausdehnung ihres Einflussbereiches â von verschiedenen Wirtschaftsweisen leben (Pflanzen- u./o. Tierproduktion sowie Handwerk, Gewerbe und Handel) und die in diesem Zusammenhang eine vielschichtige Sozialstruktur benötigen, haben entweder komplexe Götterweltencite-ref-wei-e-100-3[95] oder einen eindeutigen Monotheismus. Die differenzierte Arbeitsteilung und die hĂ€ufigere Auseinandersetzung mit kulturellen Dingen (im Vergleich zum unmittelbaren Umweltbezug der JĂ€ger, Bauern und Hirten) lĂ€sst die Natur â und mit ihr die Geistervorstellungen sowie totemistische Gruppenbildung â in den Hintergrund treten. Stattdessen sind die Gottesideen viel abstrakter und âentrĂŒckterâ. Hier lebt der Mensch nicht mehr âauf gleicher Ebeneâ mit den ihn umgebenden MĂ€chten. Die unerreichbaren Götter und die Religion sind etwas vom Alltag Getrenntes; spirituelle BedĂŒrfnisse können nur mit Hilfe spezialisierter Vermittler nach fest vorgeschriebenen Ritualen befriedigt werden. Gleichsam ist hĂ€ufig eine SĂ€kularisierung (âVerweltlichungâ) zu beobachten;cite-ref-moser-102-3[97] der Einzelne wird zum GlĂ€ubigen; der kollektive âZwangâ zur âangeborenenâ ethnischen Religion ist kaum noch ausgeprĂ€gt. Die Entstehung der sozialen Ordnung wird ĂŒberirdischen MĂ€chten zugeschrieben; die Abstammung der Clangruppen hĂ€ufig auf mythische Ahnen zurĂŒckgefĂŒhrt.cite-ref-wunn247-108-0[103] Nahezu ĂŒberall verbreitet war in historisch-ethnischen Religionen dieses Typs eine zentrale Sonnengottheit, die die Leben spendende und alles erhaltende Kraft der Sonne reprĂ€sentierte. Mond-, Meer- und Wettergottheiten kamen ebenfalls hĂ€ufig vor. Statt einfacher Tabuvorschriften gibt es zumeist komplizierte Gebote. Die religiösen Spezialisten sind hauptberuflich tĂ€tig und in der Regel gehören die Priester zur StaatsbĂŒrokratie; es gibt daher keine Trennung zwischen Kirche und Staat (â Theokratie).cite-ref-moser-102-4[97]
Zu diesen Religionen zĂ€hlen vor allem die Buchreligionen, die jedoch nicht zu den ethnischen Religionen gehören; zudem die nicht-schriftlichen komplexen Religionen der historischen Reiche in Amerika (Maya, Azteken u. a. in Mittelamerika â Chronologie des prĂ€kolumbischen Mesoamerika; SicĂĄn, Inka u. a. in SĂŒdamerika â Liste historischer Staaten in Amerika)cite-ref-109[104] und Subsahara-Afrika (Antike/FrĂŒhmittelalter: Reiche von Ghana, Kanem, Hausastaaten; Neuzeit: Kongo, Lunda, Luba u. a.), deren komplexe Strukturen in der Kolonialzeit zerstört wurden.
Geschichte
Entwicklung der Àltesten Religionen
â
Hauptartikel
:
Geschichte der Religion
Irgendwann in der Urgeschichte entstand die ReligiositĂ€t des Menschen (universale Ehrfurcht vor der transzendenten Ganzheit der Welt). Ob es sich dabei um eine genetisch fixierte Veranlagung handelt, die evolutionĂ€re Vorteile bietet, ist umstritten (â âGottesgenâ). Sicher ist jedoch, dass es keine rezente Menschengruppe ohne eine Religion gab.cite-ref-thiel-4-6[4]
Die unmittelbare religiöse Naturverehrung und wahrscheinlich auch animistische Vorstellungen sind die Ă€ltesten religiösen ĂuĂerungen der Menschheit. Bereits Funde von den JĂ€gerkulturen der jĂŒngeren Altsteinzeit (etwa Venusstatuetten, OpferplĂ€tze und Höhlenmalereien) weisen vermutlich religiöse Symbole auf; die Rekonstruktion âpalĂ€olitischer Religionenâ ist allerdings höchst spekulativ.cite-ref-m-ller-7-8-66-67-121-124-110-0[105] Dies offenbart sich bereits an der Tatsache, dass die biologischen und kulturellen Nachfahren der Schöpfer prĂ€historischer Kunstwerke (etwa die Aborigines Australiens oder die San SĂŒdafrikas) nicht in der Lage sind, die dargestellten Symbole eindeutig zu deuten.cite-ref-wunn247-108-1[103]
FĂŒr das beginnende Neolithikum hingegen kann man bereits mit Sicherheit von bestimmten ethnischen Religionen sprechen. Zugleich wurde der Naturzyklus zunehmend personifiziert. Dies gilt besonders fĂŒr die sogenannte Muttergöttin oder Magna Mater.cite-ref-111[106] Auch Tierdarstellungen spielen eine wichtige Rolle, wobei die Abbildung von als Fleischlieferanten weniger bedeutenden Tieren darauf hinweist, dass ihre Darstellung mit abstrakteren, von ihrer Nahrungsfunktion oder vom Jagdzauber losgelösten Sinninhalten besetzt ist. So findet sich die Frau-Stier-Symbolik in verschiedenen Varianten in SĂŒdosteuropa und Anatolien. Dabei handelt es sich jedoch um keinen raumĂŒbergreifenden Kult.cite-ref-112[107]
Verhaltenwissenschaftlich orientierte Forscher gehen davon aus, dass die Bereitschaft zu Kooperation, Vertrauen und Fairness gegenĂŒber AnhĂ€ngern der eigenen religiösen Gruppe (nicht aber anderen Gruppen gegenĂŒber) gröĂer ist, wenn die Angehörigen dieser Gruppe eine gemeinsame kognitive ReprĂ€sentation eines all- oder vielwissenden, strafenden oder belohnenden ĂŒbernatĂŒrlichen Wesens besitzen. FĂŒr Religionen aller Art â fĂŒr schriftlose wie fĂŒr Schriftreligionen â gilt dabei, dass sich Strafvorstellungen als weitaus verhaltenswirksamer erweisen als Belohnungserwartungen.cite-ref-113[108]
Einschneidende VerÀnderungen erfolgen in der Bronzezeit: Mit zunehmender sozialer Differenzierung und wirtschaftlicher Konsolidierung bildet sich eine Priesterkaste heraus; analog zur StÀrkung der Rolle der Familie innerhalb des Sippenverbandes entwickelt sich der olympische Religionstyp mit seinen komplizierten Verwandtschafts- und RivalitÀtsbeziehungen zwischen personifizierten Gottheiten. Auch der Jenseitskult wird aufwÀndiger, die Grabbeigaben werden zahlreicher, und Menschenopfer sind nicht selten.
Seither haben sich die Religionen in vielfĂ€ltiger Weise entwickelt: Neue Lebensbedingungen, konkrete spirituelle Erlebnisse Einzelner, einschneidende historische Ereignisse, Erfahrungen mit Drogen (die religiös gedeutet wurden), Kontakte zu andersglĂ€ubigen Völkern, zum Teil auch Manipulationen im Interesse von Machterhaltung oder -gewinnung, aber vor allem der Prozess der mĂŒndlichen Weitergabe ĂŒber viele Generationen haben die historisch-ethnischen Religionen unweigerlich verĂ€ndert. Es wird daher kaum möglich sein, auch nur Teile dieser komplexen Prozesse genau zu rekonstruieren. Sicher ist lediglich, dass die sogenannten schriftlosen Religionen prinzipiell einen starken Gegenwartsbezug haben und keine âkonserviertenâ Urreligionen sind.cite-ref-wilkinson-43-3[40]
FrĂŒhe Kontakte zu den Weltreligionen
Die abwertend als âheidnischâ bezeichneten ethnischen Religionen Europas und des Nahen Ostens sind schon vom Altertum (Beispiel: Religion der Beduinen durch die Verbreitung des Judentums) bis ins spĂ€te FrĂŒhmittelalter (Beispiele: Zwangstaufe der Sachsen durch Karl den GroĂen, Christianisierung Skandinaviens, Islamisierung Zentralasiens) dem âgöttlichen Bekehrungsauftragâ der Universalreligionen zum Opfer gefallen.
Die verbliebenen Spuren heidnischer Ideen im christlichen Europa erkennt man vor allem in aberglĂ€ubischen Vorstellungen und regionalen BrĂ€uchen (wie etwa der alemannischen Fastnacht, dem schwedischen Luciafest oder den Mutter-Erde-Ritualen im christlich-orthodoxen Volksglauben der Slawen). Je spĂ€ter die Christianisierung stattfand, desto mehr ethnisch-religiöse Spuren sind zu finden â beispielsweise die Konsultation des âTĂĄltosâ (eine Art Schamane) in Ungarncite-ref-114[109] oder der Glaube an die âBabasâ (Heilerinnen und Seherinnen) aus Bulgarien.cite-ref-115[110]
Weitaus friedlicher verlief die Verbreitung des Buddhismus in Zentral- und SĂŒdostasien â vor allem, da er (von wenigen Ausnahmen abgesehen)cite-ref-116[111] mit keiner politischen Expansion verknĂŒpft war.cite-ref-117[112] Hier entstanden vielerorts Mischsysteme: Die lokalen Religionen erkannten die buddhistische Philosophie als âDachâ an und der buddhistische Klerus integrierte seinerseits die ethnischen Götterwelten und Zeremonien geschickt als âBasementâ in sein DenkgebĂ€ude (besonders gut zu erkennen ist dies etwa in der tibetischen Bön-Religion).
Der Hinduismus wird bisweilen als die gröĂte ethnische Religion der Welt bezeichnet, da er aus einer langsamen Verschmelzung, Verschriftlichung und Systematisierung der vielfĂ€ltigen Lokalreligionen des Subkontinentes â ohne ZĂ€sur durch eine Stifterperson â entstanden ist und ausschlieĂlich Inder betrifftcite-ref-118[113] (Ausnahme Hinduismus auf Bali, wurde eingefĂŒhrt durch Siedler aus SĂŒdindien). Einige Religionen der Adivasi (traditionelle, eigenstĂ€ndige Ethnien Indiens) können jedoch trotz der deutlich hinduistischen Einwirkung auch heute noch als lokale Religionen bezeichnet werden.cite-ref-119[114]
Im Einflussbereich Chinas kam es bei der Ausbreitung der beiden Stifterreligionen Daoismus und Konfuzianismus sowie des aus Indien importierten Buddhismus â die zusammen als die âDrei Lehrenâ bezeichnet werden â von Anfang an zu einer friedlichen Koexistenz der alten und neuen Religionen, die auf diese Weise den enormen religiösen Pluralismus der chinesischen VolksreligiositĂ€t begrĂŒndeten.cite-ref-120[115]
Eine Ă€hnliche Entwicklung vollzog sich in Japan bei der Ankunft des Buddhismus, der bis heute â ohne nennenswerte gegenseitige Beeinflussung â neben der alten ethnischen Shinto-Religion existiert.cite-ref-121[116]
Ăber die Religionsentwicklung in den anderen Teilen der Erde wĂ€hrend dieser Zeit lĂ€sst sich mangels fehlender Aufzeichnungen nur sehr wenig sagen.
Entwicklung im Zuge der europÀischen Expansion
Die Zeit der Entdeckung der Welt durch die EuropĂ€er lĂ€utete den Beginn des Kolonialismus ein, in dessen Verlauf die traditionellen Weltanschauungen in mannigfaltiger Weise massiv beeinflusst wurden. In Lateinamerika erschienen zuerst die spanischen und portugiesischen Eroberer, die ihre gewalttĂ€tige HerrschaftsĂŒbernahme offiziell als âgöttlichen Auftragâ legitimierten. Ihnen folgten in ganz Amerika im 16. und 17. Jahrhundert katholische Missionare. In Afrika und Ozeanien gerieten die lokalen Religionen besonders ab dem 18. Jahrhundert unter Druck; zuletzt die australischen Aborigines ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Dabei ergĂ€nzten sich die Kolonialherren â durch BesiedlungsplĂ€ne und militĂ€rische Aktionen â sowie die Missionare verschiedener christlicher Konfessionen gegenseitig. SpĂ€ter zerrĂŒtteten die westliche Technologie und wissenschaftliche Erkenntnisse die traditionellen Weltbilder. Trotz alledem konnten sich viele lokale Religionen bis heute behaupten â dank ihrer enormen Wandlungs- und AnpassungsfĂ€higkeit oftmals in einem neuen âGewandâ.cite-ref-wilkinson-43-4[40]
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Kritik an der Ausbreitung der modernen Kultur und des abendlĂ€ndischen Christentums sowie am allgemeinen Materialismus deutlich zu. Die Missachtung der natĂŒrlichen KreislĂ€ufe, der elementaren menschlichen BedĂŒrfnisse und des Immateriellen hat heute die ganze Welt in Gefahr gebracht. Eine RĂŒckkehr zu traditionellen Werten, ein wachsendes Selbstbewusstsein, zunehmende UnabhĂ€ngigkeit und ein Wechsel in der Politik der Regierungen fĂŒhrten in manchen indigenen Gruppen zum Aufleben alter Kulte. Stammesvölker sammeln sich wieder um ihre Kulte, rufen verdrĂ€ngte Lehren in Erinnerung, erneuern alte Formen und hoffen auf einen Neuanfang.cite-ref-spektrum-de-prim-rreligionen-122-0[117]
Das Bild der ethnischen Religionen im Westen
Erste Berichte ĂŒber die Glaubenspraxis fremder Völker erreichten das christliche Abendland im Zeitalter der Entdeckungen. Trotz der rasanten europĂ€ischen Expansion wurden in den ersten Jahrhunderten nur BruchstĂŒcke der fremden Religionen bekannt, da das Interesse der Invasoren in dieser Hinsicht gering war. Zudem verfĂ€lschten die Berichterstatter oftmals die realen VerhĂ€ltnisse, indem sie ihre subjektiven EindrĂŒcke im Vergleich mit der christlich-europĂ€ischen Tradition bewerteten â die sie fĂŒr die einzig zivilisierte Sichtweise hielten. HĂ€ufig wurden daher besonders fremdartige PhĂ€nomene (ritueller Kannibalismus, Menschenopfer, bildhafte Götterdarstellungen usw.) ĂŒber alle MaĂen hervorgehoben. GottesfĂŒrchtige Missionare bemitleideten die fremde Frömmigkeit als âGeisterfurchtâ. Ihr spirituelles Handeln nannte man âMagieâ, âAnimismusâ oder âFetischismusâ â und nicht Religion. Als der religiöse Charakter nach den ersten Forschungsergebnissen nicht mehr zu leugnen war, entstand der Begriff âNaturreligionâ, der die ethnischen Religionen den anderen â sogenannten â âKulturreligionenâ gegenĂŒberstellte.cite-ref-tre-greschat-27-8[25]
Bis dahin kamen jedoch noch tausenden von Forschungsreisenden, Abenteurern, Kaufleuten und Missionaren in die Kolonien. Sie hatten noch keinerlei Vorstellung von modernem wissenschaftlichen Arbeiten und verbreiteten daher weiterhin verzerrte ethnographischen Aufzeichnungen.cite-ref-gibbons-31-1[28]cite-ref-123[118] Entweder waren die GlaubenssĂ€tze bereits durch Kontakte mit dem Christentum verfĂ€lscht, ohne dass der Ethnograph dies bemerkte; oder die indigenen Begriffe und Vorstellungen wurden vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens falsch aufgefasst und ĂŒbersetzt.cite-ref-hirschberg-177-268-124-0[119] Zum Teil fĂŒhrten auch bestimmte Erwartungen dazu: Etwa der Gedanke, die verlorenen StĂ€mme Israels gefunden zu habencite-ref-125[120] oder angebliche BestĂ€tigungen der Schöpfungsgeschichte und Ă€hnliches.cite-ref-126[121]
Bedingt durch die im 19. Jahrhundert evolutionistisch geprĂ€gten Modelle der Menschheitsentwicklung und die Vorbehalte gegen die sogenannten heidnischen Religionen, wurden sie als primitive Weltanschauungen auf die unterste Stufe der Entwicklungsleiter gestellt.cite-ref-thiel-4-7[4] Diese vorurteilsbehaftete Sichtweise entstand â wie bereits beschrieben â vor allem durch falsche Interpretationen. So wurden etwa visionĂ€re Erfahrungen, TrĂ€ume oder Trance-ZustĂ€nde bei den nordamerikanischen Ureinwohnern von den Kommentatoren aufgrund ihrer Exotik viel zu stark hervorgehoben. TatsĂ€chlich waren ânormale Wacherfahrungenâ in den nordamerikanischen Religionen fast ĂŒberall genauso wichtig.cite-ref-feest-66-1[62] Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts hat die Religionswissenschaft und Ethnologie das negative und wertende Bild der ethnischen Religionen endgĂŒltig abgelegt.
Die verfĂ€lschten Aufzeichnungen ergaben vor dem evolutionistischen Hintergrund weitreichend verallgemeinerte Schlussfolgerungen, die nach heutigem Kenntnisstand jedoch in dieser chronologischen Abfolge ĂŒberholt sind: Man ging davon aus, der âprimitiveâ Mensch habe zuerst an eine Beseeltheit aller Naturerscheinungen geglaubt (Animismus), um sich das Weltgeschehen zu erklĂ€ren. SpĂ€ter sei daraus die Anbetung verschiedener Götter (Polytheismus) entstanden, bis schlieĂlich der Glaube an einen einzigen Gott (Monotheismus) bei den âKulturvölkernâ daraus hervorgegangen sein soll.cite-ref-127[122]
Verschiedene religiös verhaftete PhĂ€nomene wie âAnimismusâ oder âTotemismusâ wurden damals zu universellen, homolog aus einer Urreligion entstandenen Weltanschauungen erklĂ€rt. In diesem Zusammenhang stehen auch einige religiös-spirituelle Schamanismus-Konzepte: Aus den vielfĂ€ltigen Formen von Geisterbeschwörern in den unterschiedlichsten Kulturen wurde aufgrund einiger Ă€hnlicher Praktiken auf ein weltweit verbreitetes, einheitliches spirituelles PhĂ€nomen geschlossen â obwohl es sich tatsĂ€chlich um unabhĂ€ngige, analoge Entwicklungen mit jeweils eigenem Sinnzusammenhang handelt.cite-ref-stolz-128-0[123] WĂ€hrend Ethnologie und Religionswissenschaft seit den 1990er Jahren von solch universellen Modellen abgerĂŒckt sind,cite-ref-129[124] hatte die Idee eines globalen âethnischen Schamanismusâ nachhaltigen Einfluss auf die esoterische Szene und fĂŒhrte zur Entstehung des Neoschamanismus, dessen verzerrte Grundannahmen sich in populĂ€ren Schriften hartnĂ€ckig halten und vervielfĂ€ltigen.cite-ref-130[125]
TatsĂ€chlich sind lokale Religionen nicht mehr und nicht weniger schlĂŒssig, plausibel und komplex wie die Buchreligionen. Sie bedingen lediglich andere Vorannahmen fĂŒr ihre Schlussfolgerungen, wie etwa die Allbeseeltheit der Natur. Ganz im Gegensatz zu den genannten Vorurteilen muss davon ausgegangen werden, dass Menschen, die sich tagtĂ€glich mit einfachster Technologie in einer âunbarmherzigen Umweltâ bewĂ€hren mĂŒssen, vernĂŒnftiges Denken und Handeln eine ĂŒberlebenswichtige Rolle spielt.cite-ref-feest-66-2[62] Es gibt auch keine âprimitivere MentalitĂ€tâ oder âmagisch-vorreligiöse Ahnungenâ, sondern nur andersartige Wahrnehmungen der Wirklichkeit.cite-ref-131[126]cite-ref-sundermeier3435-132-0[127] Hinzu kommt, dass auch diese Kulturen auf eine lange Geschichte zurĂŒckblicken und sich nach wie vor weiterentwickeln, so dass es angesichts der nur mĂŒndlichen Ăberlieferung höchst spekulativ ist, daraus die AnfĂ€nge der Religion rekonstruieren zu wollen, wie es schon hĂ€ufig versucht wurde.cite-ref-133[128] Ethnische Religionen sind keine âgeistesgeschichtlichen Ăberbleibsel aus der FrĂŒhzeit der menschlichen Entwicklung.âcite-ref-wunn247-108-2[103], sondern sie haben sich ganz im Gegenteil besonders erfolgreich gegen ihre âMitbewerberâ durchsetzen können.cite-ref-134[129]
Selbst wenn alle vorgenannten âIrrwegeâ bei der Interpretation einer ethnischen Religion vermieden werden, ist aufgrund der enormen kulturellen Unterschiede zur westlichen Welt nicht sicher, âdaĂ sie auch wirklich [âŠ] verstanden wirdâ, wie der Ethnologe Christian Feest in seinem Buch âBeseelte Weltenâ am Beispiel der ausfĂŒhrlich beschriebenen Weltbilder der Pueblovölker und Navajos schreibt.cite-ref-feest-66-3[62]
Schlussendlich fĂŒhren auch romantisierende Vorstellungen vom âedlen Wildenâ zu verzerrten Vorstellungen. Die Historikerin Christine Lockwood sagte etwa zur Religion der australischen Aborigines des 19. Jahrhunderts:
âDen Aborigines ihren Glauben zu lassen, bedeutet zum Beispiel zu akzeptieren, Geister fĂŒr Krankheit und Tod verantwortlich zu machen. Wenn jemand stirbt, ist das die Folge von Zauberei. Und sofort wird â mit Hilfe von Ritualen â ein Schuldiger ausgemacht. Wohnt der vermeintliche TĂ€ter im Nachbardorf, ziehen die MĂ€nner los und töten ihn. Klar, dass dieser Mord wiederum VergeltungsmaĂnahmen des Nachbarstammes provoziert. [âŠ]. Die Aborigines lebten in permanentem Schrecken vor der Welt der Geister. Das Christentum nimmt die Angst und befreit vom Aberglauben. Wir tendieren heute dazu, die Religion der Ureinwohner zu romantisieren â und ĂŒbersehen dabei die Furcht und Gewalt, die damit einhergingen.âcite-ref-135[130]
Trotz der offensichtlich bestehenden Problematik zeichnet Lockwoods hier wiederum eine einseitige christliche Perspektive, die ebenfalls von verschiedener Seite anders aufgefasst wird. So schreibt etwa der Religionswissenschaftler Thomas Schweer im Gegenteil: âTrotz ihrer Wirkungsmacht erwecken die Geister nicht das GefĂŒhl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins, die DĂ€monenfurcht ist kein Charakteristikum der Naturreligionen. Es existieren vielfĂ€ltige Mittel und Methoden, um böse Geister abzuwehren.âcite-ref-136[131]
Ethnische Religionen im 21. Jahrhundert
Die groĂe Wandlungs- und AnpassungsfĂ€higkeit der ethnischen Religionen hat dazu gefĂŒhrt, dass sich ihre heutigen Formen deutlich von prĂ€historischen Formen unterscheiden. Daher werden sie von den Wissenschaften âjĂŒngerâ eingestuft als die Buchreligionen. Abgesehen von den wenigen isolierten Völkern in den unzugĂ€nglichen RegenwĂ€ldern SĂŒdamerikas, SĂŒdostasiens und Neuguineas und einer Handvoll Ethnien, die ihre Kultur trotz der Kontakte mit der modernen Welt strikt bewahren wollen, sind alle sogenannten schriftlosen Religionen heute einem beschleunigten Wandel unterworfen. Mit mehr oder weniger Elementen der Weltreligionen vermischt sind sie noch in entlegenen Gebieten Nordkanadas, Sibiriens und Australiens, in groĂen Teilen Schwarzafrikas, Indiens sowie in den BerglĂ€ndern SĂŒdostasiens und Indonesiens anzutreffen.
WĂ€hrend frĂŒher alle Menschen einer Ethnie einen gemeinsamen Glauben teilten, herrscht gegenwĂ€rtig hĂ€ufig ein religiöser Pluralismus: Einige Menschen sind gĂ€nzlich zu einer neuen Religion konvertiert, andere sprechen synkretistischen Formen zu; andere bleiben dem traditionellen Glauben treu.cite-ref-feest-66-4[62] Insgesamt existieren noch tausende ethnischer Religionencite-ref-antes-greschat-3-1[3] in 141 Staaten der Erde. Damit sind sie die am weitesten verbreiteten Glaubenssysteme. Ihre offizielle AnhĂ€ngerschaft macht jedoch weltweit nur noch rund vier Prozent der Weltbevölkerung aus. Inoffiziell werden es weitaus mehr sein, denn es ist eine groĂe Dunkelziffer anzunehmen: Aufgrund der jahrhundertealten Erfahrungen mit UnterdrĂŒckung und Zwangsmissionierung, weil in vielen Staaten nur sogenannte âHochreligionenâ anerkannt werden und Andersdenkende auch heute noch vielerorts Repressalien befĂŒrchten mĂŒssen, bekennen sich viele Menschen Ă€uĂerlich zu einer anderen Religion und ĂŒben ihren wahren Glauben im Geheimen aus.cite-ref-wunn-244-246-50-3[47] Nach den laufenden Erhebungen des evangelikal-fundamentalistisch ausgerichteten Bekehrungsnetzwerkes Joshua Project bekannten sich 2016 offiziell noch 3,75 Prozent der Menschheit zu lokalen, ethnischen Religionen. Werden alle Ethnien, bei denen keine solchen Religionen mehr existieren, herausgerechnet, liegt die Quote bei 16,1 Prozent (bezogen auf gut 1,5 Mrd. Menschen).cite-ref-137[132]
Die sogenannten âStammesreligionenâ werden in vielen Staaten der dritten Welt immer noch als âprimitiv und unterentwickeltâ stigmatisiert, zumal die herrschende Klasse dieser LĂ€nder in der Regel nach christlichen, islamischen oder kommunistischen Vorlagen ausgebildet wurde. In den SchwellenlĂ€ndern ist die Situation noch ungĂŒnstiger, da traditionell lebende Gruppen hier meist als entwicklungshemmend gelten: Entweder werden sie offensiv unterdrĂŒckt oder die Errichtung moderner technischer und sozialer Infrastruktur zerstört automatisch das alte Weltbild â und mit ihm die Religion.
Eine ambivalente und nicht unerhebliche Rolle spielt heute auch der Tourismus: WĂ€hrend die Vermarktung interner Rituale als Showattraktion dazu fĂŒhren kann, dass ihre tiefere Bedeutung verloren geht und sie zur bloĂen Folklore verkommen, macht das Interesse der Weltöffentlichkeit die ethnischen Religionen sowohl zu einem Wirtschaftsfaktor als auch zu einem schĂŒtzenswerten Kulturgut.
WĂ€hrend die meisten traditionellen Ethnien weltweit ihrer alten Vorstellungen mit GlaubenssĂ€tzen und Kulten der dominanten Weltreligion vermischen (Synkretismus) oder mit einem vielfĂ€ltigen religiösen Nebeneinander (Pluralismus) auf den âDruck der Neuzeitâ reagieren, gibt es einige Bewegungen, die man vorsichtig als â âNeo-ethnische Religionenâ bezeichnen kann.
Nach wie vor sind fundamentalistische Organisationen im Namen Gottes oder Allahs bestrebt, auch noch die letzten âHeidenâ oder âKÄfirâ zu bekehren â selbst wenn es (wie etwa in Brasilien) verboten ist. So hat beispielsweise das evangelikale Joshua Project ein internetgestĂŒtztes Netzwerk aufgebaut, um u. a. mit Hilfe eines Jesus-Films in allen möglichen Sprachen zu missionieren. Die âErfolgeâ tausender UnterstĂŒtzer weltweit werden in einer Datenbank veröffentlicht und mit einer visuellen âBekehrungsampelâ bewertet, um zu weiteren Anstrengungen zu motivieren.cite-ref-138[133] Die Annahme einer fremden Religion trennt die Menschen gedanklich von ihrer gewohnten Lebensweise und untergrĂ€bt damit die traditionellen Wertvorstellungen und Normen. Die vormalige Funktion der Religion als âidentitĂ€tsstiftendes Bindegliedâ zwischen dem Menschen, seiner spezifischen Wirtschaftsweise und der natĂŒrlichen Umwelt, geht verloren.
Staatliche Entwicklungspolitik und MaĂnahmen privater Organisationen berĂŒcksichtigen oft nicht die religiösen BedĂŒrfnisse und Werte der Betroffenen (beispielsweise durch die Hinzuziehung von Religionsethnologen), sondern orientieren sich ausschlieĂlich an (durchaus gut gemeinten) wirtschaftlichen und sozialen Ăberlegungen. Dabei wird â zumeist aus Unkenntnis â ĂŒbersehen, welche negativen sozialen Auswirkungen zum Beispiel der VerstoĂ gegen uralte Tabus oder die Missachtung heiliger StĂ€tten haben kann.cite-ref-schweer-81-84-139-0[134] Menschen, in deren Weltbild materielle Dinge, kausale ZusammenhĂ€nge oder streng rationale Ăberlegungen nur eine untergeordnete Rolle spielen, beurteilen vieles vollkommen anders als Angehörige der âGlobalkulturâ: So fĂŒhren beispielsweise EntschĂ€digungszahlungen fĂŒr die Zerstörung heiliger StĂ€tten oder die Umsiedlung in eine fruchtbarere Gegend, nicht automatisch zu einer nachtrĂ€glichen Akzeptanz des Frevels â und es fĂŒhrt auch nicht unbedingt zu besseren Lebensbedingungen, wenn etwa im ursprĂŒnglichen, kargen Wohngebiet die Ahnen wohnen und nur dort mit ihnen kommuniziert werden kann.
Zahlreiche Stimmen gegenwĂ€rtiger Ureinwohner aller Kontinente berichten nicht nur ĂŒber negative materielle Entwicklungen wie Zunahme der Armut oder Zerstörung der Umwelt, sondern fast ĂŒberall wird auch Bezug genommen auf eine fortschreitende religiöse Entwurzelung, die nicht minder schwer wiegt.cite-ref-140[135]cite-ref-141[136]cite-ref-142[137]
Auch die groĂe AnpassungsfĂ€higkeit der ethnischen Religionen wird ihren rapiden Verfall und den Wandel vieler zu âfragmentarischen Folklorereligionen ohne komplexe Vernetzung mit der Lebenswirklichkeitâ durch die zunehmende Assimilation an die Lebensweise des modernen âBiosphĂ€ren-Menschenâ wohl kaum verhindern.cite-ref-schweer-81-84-139-1[134]
Neo-ethnische Religionen
Einige neue religiöse Bewegungen und Revitalisierungsbestrebungen erfĂŒllen aufgrund verschiedener Kennzeichen (zum Teil Bezug zu mehreren Ethnien, teilweise Verschriftlichung, unterbrochene Entwicklung u. a.) nicht die enge Definition einer ethnischen Religion, obwohl viele andere Merkmale (â Abschnitt: âWeitere mögliche Merkmale zur Abgrenzungâ und Kapitel: âWeitgehende Gemeinsamkeitenâ) â trotz fremder EinflĂŒsse â eindeutig zutreffen und die Angehörigen sich ausdrĂŒcklich auf ĂŒberlieferte Traditionen beziehen. Vor allem jedoch stehen sie in engem Zusammenhang mit der Bildung und Festigung neuer ethnischer IdentitĂ€ten, die unter anderem durch gemeinsame religiöse Vorstellungen neu begrĂŒndet werden. Sie werden von einigen Autoren als âNeo-ethnische Religionenâ (oder Ă€hnlich) bezeichnet.cite-ref-143[138]cite-ref-144[139]
Der junge Begriff Neo-EthnizitĂ€t geht ĂŒber den Bezug zu sogenannten âNaturreligionenâ hinaus und wird vor allem im Zusammenhang mit der Konstituierung neuer ethnisch-religiöser Gruppen verwendet: So benutzt etwa der Politikwissenschaftler Olivier Roy diesen Begriff in Zusammenhang mit dem Streben junger Moslems (oder auch der Mormonen) nach einer âerneuerten, gemeinsamen Grundlageâ, indem sie ihre Religion in einer eigenen, auf ihren Vorstellungen beruhenden Art und Weise neu auslegen.cite-ref-roy-145-0[140]
Panbewegungen in Amerika
In Nord- und SĂŒdamerika ist seit dem 19. Jahrhundert eine panindianische Entwicklung im Gang: Traditionalisten verschiedener StĂ€mme formieren eine zweite ethnische IdentitĂ€t als âIndianerâ.cite-ref-146[141] Auf diese Weise wandelt sich der ehemals fremde Sammelbegriff zur Eigenbezeichnung einer âneuenâ Kultur. Vor allem die Native American Church und die âMother-Earth-Philosophieâ kennzeichnen ihren religiösen Zusammenhalt (Hier zeigt sich wieder die Offenheit der ethnischen Religionen fĂŒr die Integration neuer Gedanken).cite-ref-147[142]
Religiöse Revitalisierung in Asien und Australien
Religiöse Erneuerungsbewegungen innerhalb traditioneller Ethnien finden sich vor allem in Russland und Australien, seit die Repressalien gegen die indigenen Völker eingestellt wurden. Dabei werden in Sibirien im Rahmen einer prinzipiellen Erneuerung traditioneller Vorstellungen und aufgrund verlorengegangenen Wissens hĂ€ufig Rituale verschiedener Völker vermischt. Diese Entwicklung wird von einigen Fachleuten kritisch gesehen, denn nicht selten mischen sich EinflĂŒsse der esoterischen Szene mit ein, die durch Kontakte mit westlichen neureligiösen Gruppen Eingang in die Glaubenssysteme finden und diese erheblich verfĂ€lschen wĂŒrden.cite-ref-sanson-148-0[143]
âNeu-afrikanischeâ Religionen
Eine besonders stark religiös motivierte Entwicklung besteht unter den Nachkommen der schwarzafrikanischen Sklaven in Mittel- und SĂŒdamerika, die aufgrund ihrer Vorgeschichte seit vielen Generationen keine eigene âStammeszugehörigkeitâ mehr haben. Vor allem mit den afroamerikanischen Religionen können sie ihre neue, eigenstĂ€ndige IdentitĂ€t ausdrĂŒcken und sich von der Kultur der âWeiĂenâ abgrenzen.cite-ref-roy-145-1[140] Dass Herkunft und Hautfarbe bei der Bildung solch âneuer Ethnienâ keine Rolle spielen muss, belegt die Tatsache, dass etwa die Umbanda-Religion auch viele weiĂe AnhĂ€nger hat.
Neopagane Traditionen in Europa
Auch die neuheidnischen Bewegungen Europas, die versuchen, sich eng an die (zumeist wenigen, fragmentarischen) Aufzeichnungen und volksreligiösen Ăberlieferungen aus den verschiedenen vorchristlichen Religionen zu halten und die keine fremden EinflĂŒsse (etwa sibirischer oder indianischer Praktiken) zulassen, können in die Kategorie der neo-ethnischen Religionen einsortiert werden.
In Europa gibt es auĂer dem âklassischen Schamanismusâ der Nenzen Nordwestrusslands â der noch in synkretistischer Form erhalten istcite-ref-149[144] â sowie der Ăberreste der Mari-Religion in Westrussland keine ethnische Religion mehr, die eine ununterbrochene Tradition vorweisen kann. Alle Religionen, die sich auf heidnische Wurzeln berufen, werden prinzipiell dem Neuheidentum zugerechnet, da sie auf (zumeist unsicheren) Rekonstruktionen beruhen und vielfach Elemente von fremden Religionen synkretistisch integriert haben. Ăberdies sind sie zumeist nicht an eine Ethnie gebunden und die Motivation ihrer AnhĂ€nger wird hĂ€ufig eher mit alternativen Lebensstilen und Zivilisationskritik in Verbindung gebracht, als mit gelebter Religion.cite-ref-150[145] In einigen FĂ€llen sind sie mit politisch-nationalen Ideologien assoziiert (wie etwa in der Ukraine âDie Gemeinde der ukrainischen Heiligenâ, âDie Versammlung der GlĂ€ubigen der Volksreligion der Ukraineâ oder auch die âRodove Vognysche Ridnoyi Prvoslavnoyi Viryâ), die gegenĂŒber den religiösen Inhalten ĂŒberwiegen.cite-ref-151[146]
Dennoch lassen sich bei einer differenzierteren Betrachtung einige wenige Bewegungen an der Peripherie des Kontinents finden, die zumindest auf eine ungebrochene folkloristische Traditionen und/oder schriftliche Ăberlieferungen zurĂŒckgreifen können, die sich vor allem an die tatsĂ€chlichen Nachkommen ihrer ethnischen Geschichte wenden und die bemĂŒht sind, die Religion möglichst authentisch wiederzubeleben. Auch diese Glaubensrichtungen werden bisweilen als neo-ethnische Religionen bezeichnet:cite-ref-152[147]
ĂsatrĂșarfĂ©lagið (islĂ€ndisch-neugermanisches Heidentum, eine Asatru-Religion)cite-ref-153[148] SĂĄmischer Schamanismus Nordeuropas (Fragmente und mögliche Revitalisierung)cite-ref-154[149]cite-ref-155[150] Wiederbelebte baltisch-heidnische Traditionen: Romuva (Litauen) Dievturi (Lettland) Taarausk (Estland) Hellenismos (wiederbelebter Polytheismus des antiken Griechenlands)
Sackgassen der ethnologischen Religionsforschung
Jede Wissenschaft ist zum einen auf korrekte Ausgangsdaten und zum anderen auf unvoreingenommene Forscher angewiesen. Die westliche Religionsethnologie leidet zum Teil bis heute unter verfĂ€lschten Daten, die von christlich geprĂ€gten Forschern (hĂ€ufig Missionaren) aufgezeichnet und zum Teil bereits durch irrefĂŒhrende Ăbersetzungen und Ăhnliches entsprechend interpretiert wurden. Ăberdies ist die Vergleichbarkeit der Daten durch die uneinheitlichen Vorgehensweisen der frĂŒhen Forscher eingeschrĂ€nkt.cite-ref-hirschberg-177-268-124-1[119]
Die meisten âSackgassenâ beruhen jedoch vielmehr auf eurozentrischen Versuchen der Vereinheitlichung, bei denen analoge Entwicklungen (Ăhnlichkeiten aufgrund gleichartiger Bedingungen) mit homologen (Ăhnlichkeiten aufgrund gemeinsamer Abstammung) gleichgesetzt wurden.cite-ref-sundermeier3435-132-1[127]
Folgende Theorien wurden in diesem Kontext mittlerweile wieder verworfen:
âą Urmonotheismus
Andrew Lang (1898)cite-ref-156[151] und Wilhelm Schmidt (1912)cite-ref-157[152] vertraten die Auffassung, dass bereits die Urmenschen eine Ahnung von der (unzweifelhaften) Existenz Gottes gehabt haben mĂŒssen. Solche christlich motivierten GedankengĂ€nge sind heute obsolet.
⹠Dema-Götter
Adolf Ellegard Jensen projizierte 1951 die sogenannten Dema-Götter einiger Ethnien Neuguineas auf alle Bodenbaukulturen seit der Jungsteinzeit. Aus den Ăberresten getöteter Dema sollen die existentiellen Nutzpflanzen entstehen.cite-ref-158[153] Auch wenn es Ă€hnliche Vorstellungen bei einigen einfachen Pflanzerkulturen anderer Kontinente gibt, ist eine so weitreichende Vereinheitlichung unseriös.
âą Fetisch
Der französische EnzyklopĂ€dist Charles de Brosses hielt 1760 die Idee der Ăbertragung von spirituellen MĂ€chten auf bestimmte GegenstĂ€nde â wie es in Westafrika mit sogenannten âFetischenâ praktiziert wurde â fĂŒr das Kennzeichen der âUrreligionâ und prĂ€gte dafĂŒr den Begriff des Fetischismus. Auch der bedeutende Religionskritiker Auguste Comtecite-ref-hartung-159-0[154] und der Theologe Friedrich Schleiermachercite-ref-danz-160-0[155] ĂŒbernahmen diesen Gedanken Anfang des 19. Jahrhunderts.
âą Mana
Verschiedene Autoren des 19. Jahrhunderts (z. B. Robert Henry Codringtoncite-ref-hartung-159-1[154] und Paul Tillichcite-ref-danz-160-1[155]) glaubten, mit der in Ozeanien beheimateten (dem Fetischismus Ă€hnlichen) Idee einer göttlichen Kraft, die Menschen oder GegenstĂ€nde besonders mĂ€chtig macht (â Mana), das entscheidende Fundament aller ethnischen Religionen gefunden zu haben. Auch sie fassten dabei jedoch ganz unterschiedliche Ideen zu etwas zusammen, das so nicht existiert: Entscheidend war vor allem die falsche Annahme, dass alle diese KrĂ€fte unabhĂ€ngig von Geistern oder Göttern seien.cite-ref-161[156]
âą Totemismus
Beliebt war bis in die 1960er Jahrecite-ref-162[157] auch der verbreitete ethnische Begriff Totemismus, der anfangs ausschlieĂlich religiös interpretiert und auf alle Kulturen ĂŒbertragen wurde, die sich in irgendeiner Weise mit Tieren, Pflanzen oder anderen Naturerscheinungen verwandt fĂŒhlten. Wie man heute weiĂ, hat das Gros der totemistischen PhĂ€nomene keinen religiösen Hintergrund.
âą Schamanismus
Den gröĂten Umfang, die gröĂte PopularitĂ€t und die weitreichendsten Konsequenzen kommen jedoch den vielfĂ€ltigen Schamanismus-Hypothesen zu, die in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts von Ethnologen, Psychologen, Religionswissenschaftlern, ArchĂ€ologen u. a. entworfen wurden. Der von den sibirischen Tungusen stammende Begriff Schamane fĂŒr den religiös-rituellen Spezialisten wurde dabei auf wenige Merkmale reduziert (etwa auf die ekstatischen ZustĂ€nde oder die Berufung durch die Geister) und aufgrund von Ăhnlichkeiten ungeachtet anderer (nicht ĂŒbereinstimmender) Merkmale auf diverse Geisterbeschwörer, Heiler, Wahrsager, Hexer, Zauberer oder Priester anderer Ethnien ĂŒbertragen. Daraus lieĂen sich weitreichende und unterschiedliche Schlussfolgerungen herleiten, die im Extremfall das schamanische PhĂ€nomen (per definitionem, nicht per se!) als weltumspannendes, âurreligiösesâ PhĂ€nomen einordneten. Solche Schamanismen â die seit den 1990er Jahren zunehmend kritisiert werdencite-ref-stolz-128-1[123] â prĂ€gten entscheidend die neureligiöse Strömung des esoterischen Neoschamanismus,cite-ref-sanson-148-1[143] beeinflussen einige echte schamanische Traditionen (die durch jahrhundertelange BekĂ€mpfung fragmentiert worden waren)cite-ref-m-ller-7-8-66-67-121-124-110-1[105] und verfĂ€lschen mit einer Vielzahl populĂ€rer BĂŒcher immer noch den Stand der Forschung.
âą Kulturstufen
Kulturelle Evolution wurde lange Zeit â in einigen Theorievarianten bis heute â als stufenartiger Evolutionsprozess von unterentwickelten (primitive Religionen, Animismus, Animatismus) zu hoch entwickelten Formen (Hochgottglaube, Monotheismus) betrachtet.cite-ref-163[158]
Siehe auch
Commons
: Ethnische Religionen
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Literatur
âą Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen. VollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Neuauflage, Lutherisches Verlagshaus, Hannover 2012, ISBN 978-3-7859-1087-0.
âą Theo Sundermeier: Religion â was ist das? Religionswissenschaft im theologischen Kontext; ein Studienbuch. 2. erweiterte Neuauflage, Otto Lembeck, Frankfurt/M. 2007, ISBN 978-3-87476-541-1.
âą Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen. Heyne, MĂŒnchen 1995, ISBN 3-453-08181-1.
âą Karl R. Wernhart: Ethnische Religionen â Universale Elemente des Religiösen. Topos, Kevelaer 2004, ISBN 3-7867-8545-7.
âą Ina Wunn: Die Evolution der Religionen. Habilitationsschrift, FakultĂ€t fĂŒr Geistes- und Sozialwissenschaften der UniversitĂ€t Hannover, 2002. bearbeitbare internet-version (8.7.2021)pdf-version (8.7.2021).
Anmerkungen
cite-note-5Anm. 1. â Beispielhaft genannt seien hier: Peter Antes (Religionen im Brennpunkt: religionswissenschaftliche BeitrĂ€ge 1976 - 2007, 2007) Christoph Antweiler (Ethnologie. Ein FĂŒhrer zu populĂ€ren Medien, 2005) Peter J. BrĂ€unlein (Beitrag in Axel Michaels: Wörterbuch der Religionen, 2006) Corinna Erckenbrecht (Traumzeit. Die Religion der Ureinwohner Australiens, 1998) Hans-JĂŒrgen Greschat (Beitrag in Peter Antes: Die Religionen der Gegenwart 1996) Klaus Hock (EinfĂŒhrung in die Religionswissenschaft, 2002) David J. Krieger und Christian J. JĂ€ggi (Natur als Kulturprodukt: Kulturökologie und Umweltethik, 2013) Bernhard Lang (Der religiöse Mensch. Kleine Weltgeschichte des homo religiosus in sechs kurzen Kapiteln, In: Jan Assmann und Harald Strohm (Hrsg.): Homo religiosus. Vielfalt und Geschichte des religiösen Menschen, 2014) Rainer Neu (Fachgebietsleiter der Abteilung Ethnische Religionen im Handbuch der Religionen) Gerda Riedl (âTraditionelle (ethnische) Religionenâ â Modell Assisi: Christliches Gebet und interreligiöser Dialog in heilsgeschichtlichem Kontext, 1998) Bettina E. Schmidt (EinfĂŒhrung in die Religionsethnologie. Ideen und Konzepte, 2008) Udo Tworuschka und Monika Tworuschka (Bertelsmann Handbuch der Religionen, 1992) Karl R. Wernhart (Ethnische Religionen â Universale Elemente des Religiösen, 2004)
cite-note-7Anm. 2. â Von dem Philosophen Karl Rosenkranz erhĂ€lt man 1831 folgenden Hinweis zu dem von ihm definierten Begriff âNaturreligionâ: âEs könnte sein, daĂ man diesen Begriff zu enge fĂ€nde und mit mir in dieser Hinsicht nicht ĂŒbereinstimmte, weil man hĂ€ufig alle ethnische Religionen Naturreligionen zu nennen gewohnt ist.â in Karl Rosenkranz: Die Naturreligion. Ein philosophisch-historischer Versuch. Langewiesche, Iserlohn 1831, S. VII.
cite-note-28Anm. 3. â Diese Anpassung findet freilich nicht immer statt. Die Verfasstheit sakraler Texte in âtotenâ oder anderen Sprachen als der jeweiligen Landessprache (z. B. Latein in Europa, Arabisch in Indonesien oder Pakistan, HebrĂ€isch in Europa und den USA) erschwert die Rezeption der Texte und verstĂ€rkt zugleich die formelhafte Verwendung. Am Beispiel der Modernisierung der biblischen Sprache vgl. Werner Besch: Sprachgeschichte. 1. Teilband. Berlin 1998, S. 65
cite-note-61Anm. 4. â Bei einigen dieser Weltanschauungen (wie etwa dem âGroĂen Geheimnisâ â Wakan â der Sioux-Völker) verschmilzt diese Verwandtschaft mit dem Göttlichen, so dass von Pantheismus gesprochen werden kann. Spricht man im Zusammenhang mit auĂereuropĂ€ischen Ethnien vom âBezug zur Naturâ, so ist allerdings immer zu berĂŒcksichtigen, dass der Begriff Natur hier hĂ€ufig eine vollkommen andere Bedeutung hat: Die Bezeichnung âspirituelle Naturverehrungâ suggeriert im eurozentrischen VerstĂ€ndnis eine Ausgrenzung des Menschen und seiner KulturgĂŒter. Das NaturverstĂ€ndnis fremder Völker ist jedoch oftmals ein ganz anderes: Bei den Amazonas-Indianern beispielsweise gehören der Mensch und die von ihm bewohnten Ăkosysteme zur Kultur, wĂ€hrend Natur eher die unbekannte Welt auĂerhalb des eigenen Lebensraumes ist. In diesem Fall mĂŒsste es daher eher âspiritueller Bezug zu Kultur und Lebensraumâ heiĂen. Hier ist grundsĂ€tzlich Vorsicht geboten, um keine vorschnellen SchlĂŒsse zu ziehen!
cite-note-89Anm. 5. â Im Original heiĂt es auch âshamanistic cultsâ (Anthony F. C. Wallace: Religion: An Anthropological View. Random House, New York (USA) 1966. S. 97.), so dass die direkte Ăbersetzung âschamanistischâ lauten mĂŒsste. Hier wird stattdessen das Adjektiv âschamanischâ verwendet, um die Gefahr einer Assoziation mit den vielfĂ€ltigen Schamanismus-Theorien zu vermeiden.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Lidia Guzy: Baba-s und Alekh-s - Askese und Ekstase einer Religion im Werden. Berlin 2002, S. 87.
cite-note-22. â GĂŒnter Dux, Thomas Luckmann, Joachim Matthes: Zur Theorie der Religion / Sociological Theories of Religion: Religion und Sprache / Religion and Language, Springer, 2013, S. 35.
cite-note-antes-greschat-33. â Hans-JĂŒrgen Greschat: Ethnische Religionen, In: Peter Antes: Religionen der Gegenwart. Beck, MĂŒnchen 1996, ISBN 3-406-41165-7. S. 261â263, 265.
cite-note-thiel-44. â Josef Franz Thiel: Religionsethnologie, erschienen in: Horst Balz et al. (Hrsg.): Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 28: âPĂŒrstinger â Religionsphilosophieâ. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1997, ISBN 978-3-11-019098-4. S. 560â565.
cite-note-65. â Karl Otto Conrady: Goethe â Leben und Werk: Zweiter Teil: Summe des Lebens. S. Fischer 2015 Google-Books-Ansicht.
cite-note-bertelsmann-handbuch-86. â Udo Tworuschka: Ethnische Religionen In: Monika und Udo Tworuschka (Hrsg.): Bertelsmann-Handbuch Religionen der Welt. Bertelsmann, GĂŒtersloh / MĂŒnchen 1992, ISBN 3-570-01603-X. S. 405â407.
cite-note-b-e-schmidt-9-20-97. â Bettina E. Schmidt: EinfĂŒhrung in die Religionsethnologie. Ideen und Konzepte. 2., durchgesehene Auflage, Reimer, Berlin 2015, ISBN 978-3-496-01539-0. S. 9â10, 17, 20.
cite-note-108. â M.K. Karat: Religion als rituelles Handeln. In: Ugo Bianchi (Hrsg.): The Notion of âReligionâ in Comparative Research: Selected Proceedings of the XVIth Congress of the International Association for the History of Religions. LâErma: Rom, 3.â8. September 1990, S. 855.
cite-note-119. â Bettina E. Schmidt: EinfĂŒhrung in die Religionsethnologie. Ideen und Konzepte. 2., durchgesehene Auflage, Reimer, Berlin 2015, ISBN 978-3-496-01539-0. S. 23.
cite-note-1210. â Siehe z. B. Ethnic religions auf studysmarter.co.uk oder Ethnic religions auf vaia.com
cite-note-1311. â Zvi Gitelmann: Religion or Ethnicity? The Evolution of Jewish Identities. Rutgers UP, New Brunswick NJ 2009.
cite-note-1412. â Hanna E. Kassis: Religious Ethnicity in the World of Islam: The Case of Lebanon, in: International Political Science Review, 6 (1985) no. 2, S. 216â229.
cite-note-1513. â Sanda Cudic: MultikulturalitĂ€t und Multikulturalismus in Bosnien-Herzegowina. Eine Fallstudie zu Herausbildung, Bedeutung und Regulierung kollektiver IdentitĂ€t in Bosnien-Herzegowina. Peter Lang, Frankfurt am Main 2001.
cite-note-1614. â A. D. Smith: The Supercession of Nationalism? In: International Journal of Comparative Sociology, 31 (1990), S. 1â31.
cite-note-1715. â Megan Stuart Mills: Mental Health Resilience of Refugees: The Case of Tamil Refugees. In: Refuge: Canadaâs Journal on Refugees, 13 (1993) No. 3, S. 25â29, hier: S. 27. - Siehe auch: Ders.: The Integration of Ethnicity: Notes on a Social Scientific Opportunity for Religious Studies. In: Method & Theory in the Study of Religion, 3 (1991) No. 1, S. 134â141.
cite-note-1816. â Joseph B. Ruane, Jennifer Todd (Hrsg.): Ethnicity and Religion: Intersections and Comparisons. London 2011.
cite-note-1917. â James L. Cox: From Primitive to Indigenous: The Academic Study of Indigenous Religions. Aldershot: Ashgate. S. 9â31.
cite-note-2018. â John Bowker: Folk Religion, in: The Concise Oxford Dictionary of World Religions, Oxford UP, New York 2000.
cite-note-2119. â Siehe die Website des ECER, abgerufen am 14. Dezember 2024
cite-note-221. Broughton Coburn: Aama: eine Pilgerreise in den Westen. Sierra Taschenbuch, 2000, ISBN 978-3-89405-091-7.
cite-note-2321. â Bettina E. Schmidt: EinfĂŒhrung in die Religionsethnologie. Ideen und Konzepte. 2., durchgesehene Auflage, Reimer, Berlin 2015, ISBN 978-3-496-01539-0. S. 22, 44â47, 52, 54â55.
cite-note-brockhaus-26-145-2422. â Der groĂe Brockhaus. 21., völlig neu bearbeitete Auflage, F. A. Brockhaus, Leipzig/Mannheim 2006, ISBN 978-3-7653-4113-7, Bd. 26, S. 145 â Stichwort âStammesreligionenâ.
cite-note-2523. â Klaus Hock: EinfĂŒhrung in die interkulturelle Theologie. Darmstadt 2011, S. 12.
cite-note-2624. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen. S. 11.
cite-note-tre-greschat-2725. â Hans-JĂŒrgen Greschat: Naturreligionen, erschienen in: Horst Balz et al. (Hrsg.): Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 24: âNapoleonische Epoche â Obrigkeitâ. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1994, ISBN 978-3-11-019098-4. S. 185â188.
cite-note-2926. â Andreas Heusler: Die altgermanische Dichtung. Berlin 1923.
cite-note-3027. â Der groĂe Brockhaus. 21., völlig neu bearbeitete Auflage, F. A. Brockhaus, Leipzig/Mannheim 2006, ISBN 978-3-7653-4113-7, Bd. 19, S. 465 â Stichwort âNaturreligionenâ.
cite-note-gibbons-3128. â David Gibbons: Atlas des Glaubens. Die Religionen der Welt. Ăbersetzung aus dem Englischen, Frederking & Thaler, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-89405-719-0. S. 92.
cite-note-3229. â Dieter Gawora: Forschungsgruppe traditionelle Völker und Gemeinschaften. Website der UniversitĂ€t Kassel, FB05 Gesellschaftswissenschaften. Abgerufen am 15. Juni 2013
cite-note-von-hahn-47-56-3330. â Anja von Hahn: Traditionelles Wissen indigener und lokaler Gemeinschaften zwischen geistigen Eigentumsrechten und der public domain. Springer, Heidelberg u. a. 2004, ISBN 3-540-22319-3, S. 47â56.
cite-note-m-ller-schamanismus-s-11-14-16-17-111-114-3431. â Klaus E. MĂŒller: Schamanismus. Heiler, Geister, Rituale. 4. Auflage, C. H. Beck, MĂŒnchen 2010 (Originalausgabe 1997), ISBN 978-3-406-41872-3. S. 11â14, 16â17, 111, 114.
cite-note-neubauer-3532. â Hendrik Neubauer (Hrsg.): The Survivors â Vom Ureinwohner zum WeltbĂŒrger. Tandem, Potsdam 2008, ISBN 978-3-8331-4627-5. S. 300â301.
cite-note-wissen-de-3633. â Lexikon-EintrĂ€ge: Ethnische Religionen und Stammesreligionen. Wissen.de, Konradin Medien GmbH, Leinfelden-Echterdingen 2014, abgerufen am 21. September 2015.
cite-note-3734. â Karl R. Wernhart: Ethnische Religionen â Universale Elemente des Religiösen. Topos, Kevelaer 2004, ISBN 3-7867-8545-7, S. 18â19, 83â84.
cite-note-3835. â Klaus E. MĂŒller: Animismus. Stichwort in: Walter Hirschberg (Begr.), Wolfgang MĂŒller (Red.): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage, Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-02650-2, S. 25.
cite-note-3936. â Adam Jones: Neue Fischer Weltgeschichte. Band 19: Afrika bis 1850. S. Fischer, 2016, ISBN 978-3-10-402419-6, Kap. F, 1. Seite.
cite-note-4037. â Joachim Radkau: Natur und Macht â Eine Weltgeschichte der Umwelt. 2. Auflage, C.H.Beck, MĂŒnchen 2012, ISBN 978-3-406-63493-2, S. 98â99.
cite-note-4138. â Theo Sundermeier: Religion â was ist das? S. 38â40.
cite-note-4239. â Lars Nikolaysen: Vergreistes Japan setzt in der Pflege auf Roboter. In: Die Welt, 26. Juni 2014 [1]
cite-note-wilkinson-4340. â Anke Wellner-Kempf (Hrsg.), Philip Wilkinson (Autor): Religionen der Welt in der Reihe Kompakt & Visuell. Dorling Kindersley, London (GB) 2009, ISBN 978-3-8310-1474-3. Kapitel âStammesreligionenâ, S. 38â39 u. 42â43 (zu âWandelbare und gegenwĂ€rtige Geister und Götterâ), S. 40â41 (zu âGeschichteâ), S. 46â47 (zu âRitualisierte KreislĂ€ufeâ)
cite-note-wunn257262-4441. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen. S. 257â262.
cite-note-4542. â So die These von Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen. Frankfurt 1998, S. 77.
cite-note-4643. â Zur Kritik der Vorstellung des deus otiosus am Beispiel Afrikas vgl. Innocent Oyibo: Aspekte afrikanischer Eschatologie aufgezeigt am Beispiel des Ahnenkults bei den Igala von Nigeria. MĂŒnster 2004, S. 58.
cite-note-4744. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen. S. 27.
cite-note-4845. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen. S. 28.
cite-note-4946. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen. S. 37.
cite-note-wunn-244-246-5047. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 244â246.
cite-note-5148. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen. S. 507, 521.
cite-note-5249. â Native Americans and Christianity. encyclopedia.com, American Eras, 1997, abgerufen am 2. Januar 2016.
cite-note-5350. â Theo Sundermeier: Religion â was ist das? S. 48â62, 70â72.
cite-note-5451. â Dietrich ZilleĂen: Gegenreligion: ĂŒber religiöse Bildung und experimentelle Didaktik. LIT Verlag, MĂŒnster 2004, ISBN 978-3-8258-4843-9, S. 23â24.
cite-note-5552. â Neureligionen, Stichwort auf religio.de, abgefragt am 1. MĂ€rz 2016.
cite-note-5653. â Ina Wunn: Yeziden in Deutschland.
cite-note-572. Marcos Terena: Singe das Lied der Stimme des Waldes in Aktionsgruppe Indianer und Menschenrechte (Hrsg.): Stimmen der Erde. Ureinwohner ĂŒber Umwelt und Entwicklung. aus dem Englischen von Monika Seiller u. Dionys Zink, Raben, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-922696-37-6. S. 68.
cite-note-wunn244-5855. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 244.
cite-note-593. Schwarzer Hirsch, Hans LÀng (Autoren) und Joseph Epes Brown (Hrsg.): Die heilige Pfeife. 9. Auflage, aus dem Englischen von Gottfried Hotz, Lamuv, Göttingen 1996, ISBN 978-3-921521-68-7. S. 161.
cite-note-ludwig-6057. â Klemens Ludwig: FlĂŒstere zu dem Felsen. Herder, Freiburg 1993, ISBN 3-451-04195-2. S. 72 (Asmat Zitat) / 147â148 (Aborigines Zitat) / 163â164, 179 (Bindung ans Land) / 165 (Wladimir Sangi Zitat).
cite-note-6258. â Aby M. Warburg: Bilder aus dem Gebiet der Pueblo-Indianer in Nord-Amerika [1923]. In: M. Treml, S. Weigel, P. Ladwig (Hrsg.): Aby Warburg: Werke in einem Band. Berlin 2010, S. 524â565, hier: S. 550.
cite-note-634. Damabutja Datarak, erzĂ€hlt fĂŒr B. Wongar: Iharang â die Pflanze der Heilung in Aktionsgruppe Indianer und Menschenrechte (Hrsg.): Stimmen der Erde. Ureinwohner ĂŒber Umwelt und Entwicklung. aus dem Englischen von Monika Seiller u. Dionys Zink, Raben, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-922696-37-6. S. 129.
cite-note-wernhart-6460. â Karl R. Wernhart: Ethnische Religionen, erschienen in: Johann Figl (Hrsg.): Handbuch Religionswissenschaft: Religionen und ihre zentralen Themen. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2003, ISBN 3-7022-2508-0. S. 260.
cite-note-6561. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 276â277.
cite-note-feest-6662. â Christian F. Feest: Beseelte Welten â Die Religionen der Indianer Nordamerikas. In: Kleine Bibliothek der Religionen, Bd. 9, Herder, Freiburg / Basel / Wien 1998, ISBN 3-451-23849-7. S. âReligion ist das Lebenâ S. 151, âWacherfahrungenâ und âvernĂŒnftiges Denkenâ S. 110â111, âPueblo und Navahoâ S. 93, âreligiöser Pluralismusâ S. 193.
cite-note-6763. â Karl Heinrich Wörner: Geschichte der Musik: ein Studien- und Nachschlagebuch. 8. Auflage â neu bearbeitet von Wolfgang Gratzer, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-27811-X. S. 3â4.
cite-note-6864. â Martin Hall: Some arguments against hunter-gathering and farming modes in Southern Africa. In: Tim Ingold, David Riches, James Woodburn (Hrsg.): Hunters and Gatherers. Vol. 2: History, Evolution and Social Change. Oxford/Washington D.C. 1988, S. 141.
cite-note-6965. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 279.
cite-note-7066. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 77.
cite-note-assmann-7167. â Jan Assmann: Das kulturelle GedĂ€chtnis: Schrift, Erinnerung und politische IdentitĂ€t in frĂŒhen Hochkulturen. Beck, MĂŒnchen 2013.
cite-note-7268. â Vine Deloria in Klemens Ludwig: FlĂŒstere zu dem Felsen. Die Botschaft der Ureinwohner unserer Erde zur Bewahrung der Schöpfung. Herder, Freiburg u. a. 1993, ISBN 3-451-04195-2, S. 17.
cite-note-735. Nathan Wate, erzĂ€hlt fĂŒr Herbert Paulzen: Das Salzwasser-Volk in Aktionsgruppe Indianer und Menschenrechte (Hrsg.): Stimmen der Erde. Ureinwohner ĂŒber Umwelt und Entwicklung. aus dem Englischen von Monika Seiller u. Dionys Zink, Raben, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-922696-37-6. S. 104â105.
cite-note-7470. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 256â257.
cite-note-7571. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 263â168.
cite-note-766. Theo Sundermeier: Religion â was ist das?, S. 40.
cite-note-wunn7441-7773. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen, S. 7, 441.
cite-note-7874. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen. Habilitationsschrift, FakultĂ€t fĂŒr Geistes- und Sozialwissenschaften der UniversitĂ€t Hannover, 2002
cite-note-7975. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen, S. 1, 97, 131, 145â146.
cite-note-8076. â "Die Arbeit ist ein Beitrag zur Theoriebildung in der Religionswissenschaft und beschreibt die Entwicklung und Ausbreitung der verschiedenen Religionen unter einem entwicklungsgeschichtlichen Gesichtspunkt. WĂ€hrend der Terminus âreligiöse Evolutionâ bislang als ein aufsteigender Prozess verstanden wurde, fuĂt die hier entwickelte Theorie ausdrĂŒcklich auf der biologischen Evolutionstheorie mit dem Ziel, natĂŒrliche Entwicklungsprozesse ins Zentrum der Untersuchung zu stellen. Parallelen zwischen der biologischen Evolution und der Entwicklungsgeschichte der Religionen erlauben, auch den Wandel der Religionen als adaptive Modifikationen im Laufe der Geschichte zu verstehen..." S. 1, vgl. auch S.n 11, 298, 487
cite-note-8177. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen, S. 9â11, 447, 502.
cite-note-8278. â Wolfgang Lindig u. Mark MĂŒnzel (Hrsg.): Die Indianer. Band 2: Mark MĂŒnzel: Mittel- und SĂŒdamerika, 3. durchgesehene und erweiterte Auflage der 1. Auflage von 1978, dtv, MĂŒnchen 1985, ISBN 3-423-04435-7. S. 197.
cite-note-8379. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen, S. 99.
cite-note-8480. â nach https://socio.ch/relsoc/t_haslinger.pdf; S. 13 in "Wallace, Anthony F. C. (1966): Religion: An Anthropological View. New York: Random House. o.S."
cite-note-8581. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen, S. 478.
cite-note-8682. â Julia Haslinger: Die Evolution der Religionen und der ReligiositĂ€t. In: SocioloReligiositĂ€t in Switzerland: Sociology of Religion, Online-Publikation, ZĂŒrich 2012. S. 13â16.
cite-note-8783. â Marvin Harris: Kulturanthropologie â Ein Lehrbuch. Aus dem Amerikanischen von Sylvia M. Schomburg-Scherff, Campus, Frankfurt/New York 1989, ISBN 3-593-33976-5. S. insbes. 285â286, zudem 287â302.
cite-note-haller-8884. â Dieter Haller u. Bernd Rodekohr: dtv-Atlas Ethnologie. 2. vollstĂ€ndig durchgesehene und korrigierte Auflage 2010, Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂŒnchen 2005, ISBN 978-3-423-03259-9. S. 235â237.
cite-note-9085. â Stephen K. Sanderson u. Wesley W. Roberts: Neo-Darwinian Theories of Religion and the Social Ecology of Religious Evolution (Memento vom 28. Juni 2014 im Internet Archive; PDF; 477 KB, englisch), 2007. S. 38â40.
cite-note-hock-9186. â Klaus Hock, EinfĂŒhrung in die Religionswissenschaft, 5. Auflage, WBG, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-534-26410-0. S. 102â103, 110, 115, 119, 127, 150.
cite-note-9287. â Theo Sundermeier: Religion â was ist das?, S. 38.
cite-note-9388. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen, S. 511â514.
cite-note-9489. â Ă
ke Hultkrantz: Amerikanische Religionen, erschienen in: Horst Balz et al. (Hrsg.): Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 2: âAgende â Anselm von Canterburyâ. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1978, ISBN 978-3-11-019098-4. S. 402â458.
cite-note-9590. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 280.
cite-note-kohl-9691. â Karl-Heinz Kohl: Ethnologie â die Wissenschaft vom kulturell Fremden. Eine EinfĂŒhrung. 3. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2012, S. 80â81 (erstveröffentlicht 1993).
cite-note-9792. â Mark MĂŒnzel: Wildbeuter In: Bernhard Streck (Hrsg.): Wörterbuch der Ethnologie. 2. und erweiterte Auflage, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2000, ISBN 3-87294-857-1. S. 295â299.
cite-note-9893. â Dieter Haller: Dtv-Atlas Ethnologie. 2., vollstĂ€ndig durchgesehene und korrigierte Auflage. dtv, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-423-03259-9, S. 103, 165â169.
cite-note-schweer-14-9994. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 14
cite-note-wei-e-10095. â GĂŒnther Spitzing in einem Review von Egon Renner ĂŒber Frieder WeiĂe: Kognitive Patternanalyse: Der Tatsachenbegriff der Kognitiven Anthropologie: Untersuchung seiner wissenschaftsgeschichtlichen Grundlagen und Entwurf eines Modells der kognitiven Patternanalyse. In: Zeitschrift fĂŒr Ethnologie, Bd. 112, Dietrich Reimer, Berlin 1987. S. 153.
cite-note-10196. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 251â257.
cite-note-moser-10297. â Johannes Moser: EinfĂŒhrung in die Wirtschaftsanthropologie. Institut fĂŒr Volkskunde/EuropĂ€ische Ethnologie, Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen 2008.
cite-note-10398. â Klaus E. MĂŒller: Die bessere und die schlechtere HĂ€lfte. Ethnologie des Geschlechterkonflikts. Campus, Frankfurt a. M. / New York 1984, ISBN 3-593-33360-0. S. 42, 47, 273â274.
cite-note-10499. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 14â15.
cite-note-105100. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 15.
cite-note-106101. â Manfred Kemme: Das Afrikabild in deutschen ReligionsbĂŒchern: eine Untersuchung katholischer ReligionsbĂŒcher fĂŒr die Sekundarstufe I. LIT Verlag MĂŒnster, 2004. S. 111 f.
cite-note-107102. â Annegret Nippa u. Museum fĂŒr Völkerkunde Hamburg (Hrsg.): Kleines abc des Nomadismus. Publikation zur Ausstellung âBrisante Begegnungen. Nomaden in einer sesshaften Welt.â Hamburg 2011. S. 180â181.
cite-note-wunn247-108103. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 247.
cite-note-109104. â Michael D. Coe (Hrsg.), Dean Snow u. Elizabeth Benson (Autoren): Bildatlas der Weltkulturen. Amerika vor Kolumbus. Weltbild-BechtermĂŒnz, Augsburg 1998, ISBN 3-8289-0711-3. Mesoamerika S. 94â150, SĂŒdamerika S. 141â201.
cite-note-m-ller-7-8-66-67-121-124-110105. â Klaus E. MĂŒller: Schamanismus. Heiler, Geister, Rituale. 4. Auflage, C. H. Beck, MĂŒnchen 2010 (Originalausgabe 1997), ISBN 978-3-406-41872-3. âRekonstruktion historischer Religionen âS. 7â8, âvom Schamanismus zum Neoschamanismusâ 66â67, 121â124.
cite-note-111106. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 246â247.
cite-note-112107. â Frank Falkenstein: Tierdarstellungen und "Stierkult" im Neolithikum SĂŒdosteuropas und Anatoliens. In: The Struma/Strymon River Valley in Prehistory. In the Steps of James Harvey Gaul, volume 2, S. 121â138 Conference Paper 2004
cite-note-114109. â Katalin Turfitt: Die Ungarn â ein Schamanenvolk? Erschienen in: Der groĂe Lebenskreis â Ethnotherapien im Kreislauf von Vergehen, Sein und Werden. Ethnotherapies in the Cycle of Life â Fading, Being and Becoming â 2005, Ethnomed â Institut fĂŒr Ethnomedizin e. V. â MĂŒnchen, ISBN 978-3-8334-3588-1, S. 135â143.
cite-note-115110. â Claudia Schwamberger: Heilerwesen in Bulgarien: Traditionelle Heilerinnen versus Psychotherapeutinnen. Waxmann Verlag, MĂŒnster 2004, ISBN 3-8309-8022-1, S. 79â83, 146.
cite-note-116111. â Alexander Berzin: Die historische Interaktion zwischen den buddhistischen und islamischen Kulturen vor der Zeit des mongolischen Reichs. Abgerufen am 28. MĂ€rz 2016.
cite-note-117112. â Carl G. Wingenroth: Des weissen Mannes BĂŒrdes: 2000 Jahre Kolonialismus. Kiepenheuer & Witsch, 1961. S. 68.
cite-note-118113. â Helmuth von Glasenapp: Die fĂŒnf groĂen Religionen. E. Diederich, 1951. S. 24.
cite-note-119114. â Monika und Udo Tworuschka: Die Welt der Religionen. Wissen Media Verlag, GĂŒtersloh 2006, ISBN 3-577-14521-8, Afrikanische Religionen, Traditionelle Religionen, Religionen der Adivasi, S. 329, 343, 422 f.
cite-note-120115. â WestfĂ€lische Wilhelms-UniversitĂ€t MĂŒnster: âDrei Lichter, die den Himmel erhellenâ â Vortrag ĂŒber den harmonisierenden Umgang mit religiöser Vielfalt in China. 2. November 2012, abgerufen am 28. MĂ€rz 2016.
cite-note-121116. â planet-wissen.de: Der Shintoismus â Weg der Götter (Memento vom 8. April 2016 im Internet Archive)
cite-note-spektrum-de-prim-rreligionen-122117. â Lexikon der Geographie auf spektrum.de: PrimĂ€rreligionen., Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2001, abgerufen am 23. September 2015.
cite-note-123118. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 248.
cite-note-hirschberg-177-268-124119. â Walter Hirschberg (BegrĂŒnder), Wolfgang MĂŒller (Redaktion): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage, Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-02650-2. S. 177 (Bettina Schmidt: Höchstes Wesen), 268 (Roland Mischung: Naturreligion).
cite-note-125120. â Ulrike Kirchberger: Konversion zur Moderne?: Die britische Indianermission in der atlantischen Welt des 18. Jahrhunderts. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2008. S. 158ff.
cite-note-126121. â Edeltraud Hruschka: Lebenswelten protestantischer Missionarsehefrauen in Ozeanien. Exemplarisch dargestellt anhand von ausgewĂ€hlten Selbstzeugnissen dreier Missionsfrauen im Zeitraum von 1830 bis 1913. Diplomarbeit, UniversitĂ€t Wien 2002. S. 90.
cite-note-127122. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 24.
cite-note-stolz-128123. â Alfred Stolz: Schamanismus. Stichwort in: Walter Hirschberg (BegrĂŒnder), Wolfgang MĂŒller (Redaktion): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage. Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-02650-2. S. 326â327.
cite-note-129124. â Karin Riedl: KĂŒnstlerschamanen. Zur Aneignung des Schamanenkonzepts bei Jim Morrison und Joseph Beuys. transcript, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2683-4. S. 91â98.
cite-note-130125. â Hartmut Zinser: Zur Faszination des Schamanismus. In: Michael Kuper (Hrsg.): Hungrige Geister und rastlose Seelen. Texte zur Schamanismusforschung. Dietrich Reimer, Berlin 1991, S. 17â26.
cite-note-131126. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 80.
cite-note-sundermeier3435-132127. â Theo Sundermeier: Religion â was ist das?, S. 34â35.
cite-note-133128. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 10.
cite-note-134129. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen, S. 526â527.
cite-note-135130. â Zitat Christine Lockwood in Silke Lahmann-Lammert: âEs schnitt mir wie ein Messer durch meine Seele.â Clamor SchĂŒrmanns Mission bei den Kaurna-Aborigines. Beitrag in deutschlandradiokultur.de vom 18. August 2012, abgerufen am 16. MĂ€rz 2016.
cite-note-136131. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 26.
cite-note-137132. â unreachedresources.org: Tajik, Afghan in Afghanistan â Ethnic People Profile (Memento vom 3. MĂ€rz 2016 im Internet Archive) (englisch)
cite-note-138133. â unreachedresources.org: Joshua Project â Unreached Peoples of the World (Memento vom 8. April 2016 im Internet Archive) (englisch)
cite-note-schweer-81-84-139134. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 81â84.
cite-note-140135. â Aktionsgruppe Indianer und Menschenrechte (Hrsg.): Stimmen der Erde. Ureinwohner ĂŒber Umwelt und Entwicklung. aus dem Englischen von Monika Seiller u. Dionys Zink, Raben, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-922696-37-6. S. 68.
cite-note-141136. â Homepage der Menschenrechtsorganisation Survival International
cite-note-142137. â Homepage der Menschenrechtsorganisation Gesellschaft fĂŒr bedrohte Völker
cite-note-143138. â Fred W. Riggs: The Modernity of Ethnic Identity and Conflict, in International Political Science Review / Revue internationale de science politique, Ausgabe 19, Nr. 3, Ethnic Nationalism and the World Systemic Crisis. / Nationalisme ethnique et crise du systĂšme monde. Juli 1998. S. 269â288.
cite-note-144139. â AurĂ©lie Biard: The religious factor in the reification of âneo-ethnicâ identities in Kyrgyzstan, in Nationalities Papers: The Journal of Nationalism and Ethnicity Ausgabe 38, Nr. 3, Mai 2010. S. 323â335.
cite-note-roy-145140. â Olivier Roy: Holy Ignorance: When Religion and Culture Part Ways. Oxford University Press, 2014, ISBN 978-0-19-932802-4. S. 70, 73, 78â87, 165, 177, 180.
cite-note-146141. â ManĂ©li Farahmand: Glocalization and Transnationalization in (neo)-Mayanization Processes: Ethnographic Case Studies from Mexico and Guatemala, in Religions 2016, 7, 17. S. 2â10.
cite-note-147142. â Ina Wunn in: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir â Vielfalt der Religionen, S. 280â283.
cite-note-sanson-148143. â Dawne Sanson: Taking the spirits seriously: Neo-Shamanism and contemporary shamanic healing in New-Zealand (Memento vom 16. Juli 2015 im Internet Archive; PDF; 5,75 MB, englisch). Massey University, Auckland (NZ) 2012, S. i, 28â31, 29, 45â48, 98, 138, 269.
cite-note-149144. â JahrbĂŒcher fĂŒr Geschichte Osteuropas, herausgegeben im Auftrag des Osteuropa-Instituts Regensburg von Martin Schulze Wessel und Dietmar Neutatz, Band 58 (2010) H. 3, S. 439â440. Abgerufen am 11. September 2015.
cite-note-150145. â Felix Wiedemann: Rassenmutter und Rebellin: Hexenbilder in Romantik, völkischer Bewegung, Neuheidentum und Feminismus. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3679-8. S. 218â220.
cite-note-151146. â Claudia Feger ĂŒber Andriy Nakorchevski zur neuen ethnischen Religionsbewegung in der Ukraine in Rezension vom 13. Dezember 2010 zu: RenĂ© GrĂŒnder, Michael Schetsche, Ina Schmied-Knittel (Hrsg.): Der andere Glaube. EuropĂ€ische Alternativreligionen zwischen heidnischer SpiritualitĂ€t und christlicher Leitkultur. Ergon Verlag, 2009, ISBN 978-3-89913-688-3. Reihe: GrenzĂŒberschreitungen - Band 8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, abgerufen am 21. April 2016.
cite-note-152147. â RenĂ© GrĂŒnder, Michael Schetsche, Ina Schmied-Knittel (Hrsg.): Der andere Glaube: europĂ€ische Alternativreligionen zwischen heidnischer SpiritualitĂ€t und christlicher Leitkultur. Band 8 der Reihe GrenzĂŒberschreitungen, Ergon, WĂŒrzburg 2009, ISBN 978-3-89913-688-3. S. 19.
cite-note-153148. â MarĂa ErlendsdĂłttir: Pagan Beliefs in Modern Iceland. University of Edinburgh, 2001. S. 43.
cite-note-154149. â Ralph Tuchtenhagen: Religion in Norwegen, erschienen in: Markus Porsche-Ludwig, JĂŒrgen Bellers (Hrsg.): Handbuch der Religionen der Welt. BĂ€nde 1 und 2, Traugott Bautz, Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-727-5. S. 327â328.
cite-note-155150. â Manfred Böckl: Die kleinen Religionen Europas â Woher sie kommen und welchen Einfluss sie haben. Patmos, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-8436-0000-2. S. 153â159, insbesondere 154â155.
cite-note-156151. â Mariasusai Dhavamony: Phenomenology of religiĂłn. Editrice Pontificia UniversitĂ Gregoriana, 1973, ISBN 88-7652-474-6. S. 60â64.
cite-note-157152. â Wilhelm Schmidt: Der Ursprung der Gottesidee. Eine historisch-kritische und positive Studie. 1â12, Aschendorff, MĂŒnster 1912â1955.
cite-note-158153. â Bettina Schmidt: Dema, Stichwort in: Walter Hirschberg (Begr.), Wolfgang MĂŒller (Red.): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage, Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-02650-2. S. 75â76.
cite-note-hartung-159154. â Constance Hartung: Der âWeg der VĂ€terâ: Ostafrikanische Religionen im Spiegel frĂŒher Missionarsberichte. LIT, MĂŒnster 2005. S. 357.
cite-note-danz-160155. â Christian Danz: Religionstheologie und interreligiöser Dialog. LIT, MĂŒnster 2010. S. 46â47.
cite-note-161156. â Thomas Schweer: Stichwort Naturreligionen, S. 31.
cite-note-162157. â Britta Duelke u. Wolfgang MĂŒller: Totemismus. Stichwort in: Walter Hirschberg (Begr.), Wolfgang MĂŒller (Red.): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage, Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-02650-2. S. 377â378.
cite-note-163158. â Ina Wunn: Die Evolution der Religionen, S. 7, 9â11, 299â304, 308ff, 387ff, 420, 424ff, 438â439.